Sebastian stellte Olivia die verschiedenen medizinischen Einrichtungen seiner Abteilung vor. Dazu zählte auch eine eigene Röntgenabteilung. Sie wusste, dass er Wert darauf legte, nicht von anderen Abteilungen abhängig zu sein.
„Und hier ist unser eigener Operationssaal“, erklärte er.
Olivia stellte sich auf die Zehenspitzen, um durch das Fenster in der Tür zu sehen.
Wehmütig betrachtete Sebastian sie. Er hatte fast vergessen, wie klein sie war. Sein Blick fiel auf ihre weiblichen Rundungen. Und plötzlich verspürte er eine körperliche Reaktion, die er nicht erwartet hatte. Ihr Aussehen und ihre sexuelle Ausstrahlung hatten ihn immer fasziniert. Offensichtlich hatte sich bis heute nichts daran geändert.
„Das sieht ja wirklich beeindruckend aus“, sagte Olivia anerkennend.
Er lächelte sie an und gab sich Mühe, seine Reaktion auf sie zu verbergen. Wenn sie gekommen war, um von ihm die Scheidung zu verlangen, würde das alles noch mehr komplizieren. Obwohl ihm die Idee gar nicht gefiel, würde er sich nicht gegen die Scheidung sperren, wenn Olivia unbedingt darauf bestand.
Er drehte sich abrupt um. „Jetzt kennst du die ganze Abteilung. Genügt dir das für den Augenblick, um dich einigermaßen zurechtzufinden?“
„Danke, ja. Du hast hier Beachtliches auf die Beine gestellt. Es ist eine der am besten eingerichteten und organisierten Notfallabteilungen, die ich je gesehen habe. Jetzt verstehe ich, was dich an diesem Job so fasziniert hat.“
„Stimmt, das alles von Anfang an nach meinen Vorstellungen mit aufzubauen, war sehr reizvoll. Aber die beste Ausstattung ist ohne ein qualifiziertes Team nichts wert. Zum Glück habe ich ein hervorragendes Team gefunden.“
Sebastian runzelte die Stirn. Ihre letzte Bemerkung hatte sehr kühl und wenig begeistert geklungen. Offenbar war seine enthusiastische Erwähnung des Teams bei ihr nicht so gut angekommen.
Er atmete erleichtert auf, als Marilyn kam und ihm sagte, dass jemand von der Rettungswagenzentrale am Telefon sei und ihn sprechen wollte. Er nickte Olivia entschuldigend zu und ging in sein Büro.
Was er erfuhr, ließ ihn vor Schreck tief durchatmen. Als der Tanker die Bohrplattform gerammt hatte, war es zu einer schweren Explosion gekommen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen hatte es eine Reihe von Verletzten gegeben, die umgehend ausgeflogen und direkt zum Krankenhaus gebracht werden sollten.
Sebastian legte auf und sah auf die Uhr. Es blieben schätzungsweise noch gut zehn Minuten, um alles für die Ankunft der Hubschrauber und der ersten Verletzten vorzubereiten. Energisch schüttelte er die trüben Gedanken an Olivia ab und konzentrierte sich auf seine Aufgabe.
Er ging zum Aufenthaltsraum. Dort würde sein gesamtes Team warten. Zuerst bemerkten sie ihn gar nicht, aber dann sah Gary ihn und winkte den anderen zu. Die lebhafte Unterhaltung verstummte, und alle schauten gespannt zu Sebastian.
„Der erste Hubschrauber ist auf dem Weg“, sagte er. „Drei Verletzte mit schweren Brandwunden sind an Bord. Ankunft wahrscheinlich in knapp zehn Minuten. Marilyn führt das erste Team, Gary das zweite und ich das dritte.“
„Ist schon abzuschätzen, wie viele Verletzte wir insgesamt zu erwarten haben?“, wollte Gary wissen.
„Nein. Wir müssen davon ausgehen, dass es sehr viele sein könnten. Darauf müssen wir uns vorbereiten.“
Er wandte sich an Jayne. Wegen ihrer Schwangerschaft wollte er kein Risiko eingehen. „Wenn es auch nur ein Anzeichen für eine Chemikalienvergiftung gibt, verlässt du sofort die Station. Verstanden?“
Die Schwester nickte sichtlich erleichtert.
Sebastian war froh, dass er daran gedacht hatte.
Als die Tür geöffnet wurde, drehte er sich um und erwartete, die ersten Rettungssanitäter zu sehen. Aber es war Olivia, die eintrat.
„Hast du dir schon überlegt, wie ich euch helfen kann?“, fragte sie und blieb direkt vor ihm stehen.
„Was würdest du denn machen wollen?“, fragte er mit heiserer Stimme zurück.
„Das ist mir egal. Hauptsache, ich kann mich wirklich nützlich machen.“
Er nickte. „Gut, ich werde es dir sagen, wenn es so weit ist.“
Wieder wurde die Tür aufgestoßen. Dieses Mal waren es wirklich die Sanitäter mit dem ersten Verletzten. Sebastian winkte ihnen zu, sie sollten den Mann zu ihm bringen. Sekunden später hatten sie den Verletzten von der fahrbaren Liege auf ein Bett gehoben, und Sebastian konzentrierte sich voll und ganz auf das, was er als Mediziner gelernt hatte.
Noch einmal verspürte er kurz einen scharfen Schmerz. Nichts und niemand hatte ihm beigebracht, wie er mit dem Verlust von Olivia fertig werden sollte.
„Ich brauche noch einen Schlauch, Olivia …“
„Sofort.“
Sie riss die Verpackung einer frischen Kanüle auf. Geschickt und sicher führte sie die Nadel in die Armvene des Verletzten ein. Seine Körperfunktionen drohten auf ganzer Linie zu versagen, wohl eine Folge des Schocks durch die schweren Brandwunden.
„Danke. Und jetzt lass die Salzlösung so schnell wie möglich durchlaufen. Er braucht dringend viel Flüssigkeit, sonst verlieren wir ihn.“
Olivia sah kaum hin, als Sebastian vorsichtig Metallsplitter aus den Wunden des Mannes entfernte. Sie war ihm dankbar, dass er sie nicht nur für kleinere Handreichungen eingesetzt, sondern von Anfang an voll in die Behandlung einbezogen hatte. Das tat ihr gut. Sie war froh, ihre vor vielen Jahren auf der Notfallstation eines Krankenhauses erworbenen Fähigkeiten wieder einmal einsetzen zu können. Sie drückte rhythmisch auf den Plastikbeutel mit der Salzlösung, um den Durchlauf zu beschleunigen.
„Verdammt!“ Sebastian fluchte leise, als ihm ein scharfer Metallsplitter aus der schmalen Zange rutschte. „Da ist so viel Blut, dass ich kaum etwas sehen kann“, murmelte er.
Er holte tief Luft und setzte erneut an.
Olivia musste lächeln. So kannte sie Sebastian, er gab nie auf, auch wenn etwas unmöglich erschien. Wenn jemand diesen Mann retten konnte, dann Sebastian.
„Ah, jetzt habe ich es …“
Er stieß einen leisen Pfiff aus, als er den Metallsplitter aus dem Hals des Patienten zog und in eine Schale fallen ließ.
Cathy tupfte das Blut weg, damit Sebastian weitermachen konnte.
Mit einer Sicherheit und Präzision, um die ihn mancher erfahrene Chirurg beneidet hätte, vernähte er den Riss in der Halsschlagader des Mannes und brachte die Blutung zum Stoppen.
Olivia war beeindruckt. Sebastian hatte immer die riskanten Herausforderungen gesucht, während sie selbst die Routinefälle bevorzugt hatte. Auch in dieser Beziehung waren sie total verschieden. Sie zwang sich, diese Gedanken zu verdrängen. Im Augenblick gab es Wichtigeres. Da der erste Beutel mit Salzlösung fast leer war, bereitete sie einen weiteren Beutel zum Austausch vor.
Aber in diesem Moment kam die Hämatologin Sarah, die in aller Eile die Blutgruppe des Patienten bestimmt hatte, mit einer Blutkonserve ins Zimmer. Eine Bluttransfusion würde in jedem Fall für den Verletzten, der viel Blut verloren hatte, besser sein als nur die Zufuhr von Flüssigkeit.
Olivia staunte, wie schnell und präzise das ganze Team arbeitete. Bestimmung der Blutgruppe, Röntgenaufnahmen – das alles dauerte nur wenige Minuten. Verglichen mit der Notfallstation des Krankenhauses, in der sie früher gearbeitet hatte, war das hier eine andere Welt. Jetzt verstand sie besser, warum Sebastian so enthusiastisch gewesen war, als man ihm diesen Job anbot.
„So. Wir haben getan, was wir konnten“, sagte Sebastian. „Jetzt sind die Chirurgen dran. Ruft in der Chirurgie an, und sagt ihnen, dass wir jemanden hinaufschicken.“ Er zog die Gummihandschuhe aus und warf sie in den Abfallkorb. „Wie viele Verletzte hatten wir bisher? Ich hoffe, irgendjemand zählt mit.“
„Wir versuchen es“, antwortete Marilyn. „Gary und ich haben gerade gewettet, wie viele es heute Nacht insgesamt sein werden. Ich habe fünfzig geschätzt, Gary meint, es würden eher über hundert werden.“ Marilyn seufzte. „Diese jungen Leute müssen immer übertreiben.“
Alle lachten. Auch Gary. Olivia stellte bewundernd fest, wie gut sich alle in dem Team verstanden.
Sebastian meldete sich wieder zu Wort. „Ich glaube, wir haben alle eine kurze Pause verdient, bevor die Hubschrauber wiederkommen.“
Olivia sah überrascht auf. „Ich bleibe gern hier und passe auf, während ihr im Pausenraum seid.“
„Danke, aber so arbeiten wir hier nicht.“ Er wandte sich an die beiden Krankenschwestern. „Cathy und Jayne, ihr beide geht auch in die Kantine. Esst etwas und ruht euch aus.“
Olivia runzelte die Stirn und warf einen Blick auf die anderen Teams, die noch voll mit ihren Patienten beschäftigt waren. „Wollt ihr ihnen nicht helfen, damit sie schneller fertig werden?“
„Das ist nicht nötig. Sie wissen, was sie zu tun haben, und werden sehr gut allein fertig.“
Sebastian schob Olivia, die sich noch sträubte, in Richtung Tür. „Vertrau mir, Olivia. Ich weiß, was ich tue. Ein Ereignis wie heute Abend übt auf jeden Mitarbeiter hier einen enormen Druck aus. Da ist es wichtig, in Abständen die Batterien wieder aufzuladen. Das kann so die ganze Nacht weitergehen, und es wäre unverantwortlich, wenn unsere Konzentration nachließe und wir dadurch die Patienten benachteiligten, die später ankommen.“
„Glaubst du wirklich, das geht die ganze Nacht so weiter?“
„Ja, und deshalb sollten wir uns auf eine sehr lange Nacht einstellen.“ Er ging mit ihr zum Aufzug. „Ich weiß nicht, was mit dir ist, aber ich sterbe vor Hunger …“
„Eine Tasse Kaffee wäre tatsächlich nicht schlecht“, gab sie zu.
„Das dachte ich mir. Wann bist du in Sussex losgefahren? Kurz vor Mittag, nehme ich an.“
„Richtig, gleich nach Ende der Vormittagssprechstunde. Ich hatte den Nachmittag frei und habe mich spontan entschieden herzufahren.“
Olivia trat in den Aufzug. Plötzlich fühlte sie sich nervös. Bisher war zu viel los gewesen, als dass sie hätten miteinander sprechen können. Aber jetzt wäre eine Gelegenheit …
„Dann bist du aber schnell durchgekommen. Am Freitag sind die Straßen ja oft sehr voll wegen des beginnenden Wochenendverkehrs.“
Sebastian drückte auf den Knopf für den sechsten Stock und lehnte sich gegen die Wand. Da er den Kopf gesenkt hielt, konnte Olivia seine Augen nicht sehen und hatte keine Vorstellung davon, was er gerade dachte. Wartete er darauf, dass sie ihm den wahren Grund für ihren Besuch sagte? Oder wollte er weiter nur ganz unverbindlich mit ihr plaudern?
Sie beschloss, jetzt lieber nichts zu sagen. Das war feige, gestand sie sich ein. Sie hätte es jetzt schnell hinter sich bringen sollen, wer weiß, wann sich wieder eine Gelegenheit ergab, mit ihm allein zu sprechen. Aber irgendwie brachte sie es nicht fertig.
„Der Verkehr auf der Autobahn war dicht, aber es gab keine Staus.“ Sie hoffte, dass er sie nicht direkt fragen würde, warum sie hier war. „Zum Glück kam ich an, bevor der Sturm richtig losbrach.“
„Ja, so ein Unwetter hatten wir lange nicht mehr. Hier entlang geht es zur Cafeteria.“
Olivia folgte ihm schweigend. Sie spürte immer noch seine Hand auf ihrem Rücken, mit der er sie nach dem Aussteigen aus dem Fahrstuhl sanft in die richtige Richtung geschoben hatte. Ein Kribbeln war über ihren Körper gelaufen – und sie hatte sich daran erinnert, wie diese Hände ihren Körper gestreichelt hatten …
„Wir sind da.“
Sebastian öffnete die Tür und ließ Olivia eintreten. Schnell löste sie sich von ihm. Ihr Puls hatte sich beschleunigt, und sie fühlte das Blut in ihren Adern pochen. Es war lange her, dass sie solche Gefühle verspürt hatte – und noch länger, seit sie zuletzt miteinander geschlafen hatten. Sie empfand es als Ironie des Schicksals, dass ihr ausgerechnet hier und jetzt bewusst wurde, wie wundervoll und aufregend der Sex mit ihm immer gewesen war.
„Was möchtest du essen und trinken?“, fragte Sebastian, nachdem er sie zu einem Tisch in einer Ecke geführt hatte. Das gab ihnen die Möglichkeit, sich ungestört zu unterhalten.
„Nur einen Kaffee, bitte.“
„Ist das dein Ernst?“ Er lächelte sie an. Hoffentlich merkte sie nicht, wie sehr ihn die ganze Situation mitnahm. Er wollte auf keinen Fall mit ihr über die Scheidung reden. Obwohl er sich bewusst war, wie weit sie sich in den vergangenen sechs Monaten voneinander entfernt hatten, hatte er immer gehofft, es würde noch möglich sein, alle Probleme zu lösen. Eine Möglichkeit wäre aus seiner Sicht gewesen, dass Olivia sich doch noch entschließen könnte, in den Norden zu kommen.
Das war eine Fehleinschätzung gewesen. Er hätte nicht zulassen dürfen, dass sie sich immer mehr entfremdeten. Aber unglücklicherweise hatte er seinen Stolz nicht überwinden können.
„Wie wäre es mit einem Sandwich zum Kaffee?“ Sein Lächeln erschien ihm selbst etwas aufgesetzt. „Es wird noch eine lange Nacht. Und wenn du wirklich bei uns bleiben und uns helfen willst, solltest du dich stärken.“
„Natürlich will ich euch helfen“, sagte Olivia scharf. „Oder spricht irgendetwas dagegen?“
„Gar nichts.“ Sebastian streckte entschuldigend die Hände aus.
Sie seufzte. „Tut mir leid, ich war wohl etwas schnippisch. Aber ich wollte eigentlich …“ Sie unterbrach sich. Das war wohl nicht der richtige Moment, um auf die Scheidung zu sprechen zu kommen.
Sebastian drehte sich um und ging zum Tresen. „Ich bringe dir ein Sandwich mit. Dann kannst du dir ja immer noch überlegen, ob du es essen willst oder nicht.“
Er seufzte tief, als er sich an das Ende der Schlange stellte, und kam sich wie ein Feigling vor, der alles daransetzte, der unangenehmen Wahrheit aus dem Weg zu gehen. Olivia wollte die Scheidung – und er hatte kaum ein Argument dagegen.
Er wählte ein Schinkensandwich für Olivia und für sich selbst ein Stück Fleischpastete. Außerdem bestellte er zwei große Tassen Kaffee. Es war gerade Schichtwechsel, und die Cafeteria war brechend voll. Die meisten Mitarbeiter im Grace-Darling-Krankenhaus waren ihm zumindest vom Sehen bekannt. Und die meisten von ihnen hatten gerüchteweise mitbekommen, was mit seiner Ehe los war.
Als er zum Tisch zurückkam und das Tablett abstellte, fragte er sich, ob die Sympathien seiner Kollegen mehr bei ihm oder bei Olivia lagen, wenn sie wüssten, wie es zwischen ihnen wirklich stand.
Er war sich nicht sicher, wessen Partei die Leute ergreifen würden. Und er fragte sich inzwischen selbst, ob seine Entscheidung damals richtig gewesen war.
Freitag, 20.00 Uhr
Olivia öffnete die Tür zum Behandlungszimmer. „Bereitet euch vor, es wird ein neuer Patient hereingebracht.“
Sie trat zur Seite, um die Sanitäter mit der Liege vorbeizulassen. Dann ging sie nach draußen zu dem zweiten Rettungswagen, der gerade angekommen war, und warf einen Blick hinein. Bis jetzt waren mehr als dreißig Verletzte eingeliefert worden. Und ein Ende war nicht abzusehen.
Das Feuer auf dem Tanker und der Bohrplattform hatte zahlreiche Verletzte gefordert. Sie waren mit Rettungshubschraubern oder mit Fischerbooten an Land gebracht worden. Nach der Pause in der Cafeteria hatte Olivia die Aufgabe übernommen, die eingelieferten Verletzten am Eingang zu empfangen und in die schweren Fälle, die umgehende Behandlung erforderten, und die etwas leichteren Fälle einzuteilen.
Nach einem Blick auf den Verletzten in dem zuletzt angekommen Wagen nickte sie den Sanitätern zu und gab ihnen einen Wink, sich zu beeilen. „Bringen Sie ihn sofort hinein. Sagen Sie bei der Aufnahme, es handle sich um Dringlichkeitsstufe drei.“
„Heißt das, Frau Doktor, dass ich warten muss?“, fragte der Patient unruhig. Trotz seiner verbrannten Hände brachte er es fertig zu grinsen. „Die Tragik meines Lebens: Ich komme immer als Letzter dran.“
Olivia musste lachen. „Das gilt dieses Mal nicht. Sie werden nicht lange warten müssen, bis die Ärzte sich um Sie kümmern.“
„Dann kann ich mich nicht beschweren“, sagte der Verletzte. „Ich habe einen Blick auf mehrere meiner verletzten Kameraden geworfen. Die müssen dringender versorgt werden als ich.“
„Sie haben viel Verständnis, alle Achtung.“ Olivia legte ihm die Hand auf die Schulter. „Ich verspreche Ihnen, wir tun alles, was wir nur können.“
„Das weiß ich.“ Der Mann lächelte die Sanitäter aufmunternd an. „Okay, Jungs. Es kann losgehen.“
Olivia kletterte nachdenklich aus dem Rettungswagen. Der Mut und die Tapferkeit, die viele Patienten bewiesen hatten, hatte sie sehr bewegt. Immer wieder hatten Verletzte berichtet, sie hätten nur überlebt, weil ein Arbeitskollege ihnen selbstlos geholfen hätte.
„Nun, wie läuft es hier draußen?“
Sie fuhr herum, als sie Sebastians Stimme hinter sich hörte. Seit sie aus der Cafeteria zurück war, hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Sie war aber auch so beschäftigt gewesen, dass sie kaum an ihn gedacht hatte.
„Ganz gut bisher.“ Sie ging zu ihm und schlug die Kapuze des gelben Regenumhangs zurück.
„Du siehst aus, als ob du frierst“, sagte Sebastian besorgt. „Soll dich mal jemand hier draußen ablösen? Ich könnte Jayne schicken, dann kannst du dich drinnen etwas aufwärmen.“
„Nein, nein, das ist nicht nötig. Der Regenumhang ist ein prima Schutz.“
„Ich erinnere mich, dass du Regen nie besonders gemocht hast. Weißt du noch, wie wir dieses Ferienhaus in Wales gemietet hatten und es eine ganze Woche ununterbrochen regnete?“ Er streckte die Hand aus und fuhr mit dem Finger über ihre nasse Wange.
„Oh ja. Das war wirklich ein abscheuliches Wetter.“ Olivia hoffte, er würde nicht bemerken, dass ihre Stimme leicht zitterte. Seinen Finger auf ihrer Haut zu fühlen, beunruhigte sie. Sie fühlte, wie ein erwartungsvoller Schauer über ihren ganzen Körper lief.
„Ich hätte nie gedacht, dass es so intensiv regnen könnte, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte“, lachte er. „Aber wir hatten auch unseren Spaß in dem verregneten Urlaub.“
„Ich erinnere mich nur an den Dauerregen.“
Olivia trat einen Schritt zurück und wischte sich die letzten Tropfen vom Gesicht, denn sie wollte vermeiden, dass Sebastian sie noch einmal berührte – sie hatte zu heftig auf seine Berührung reagiert.
Sie räusperte sich, um ihre Kehle freizubekommen, aber sie schaffte es nicht, ihre körperliche Reaktion auf ihn und die Erinnerung an vergangene Zeiten ganz zu verdrängen.
Er hatte recht – die verregneten Urlaubstage waren in Wirklichkeit sehr erträglich gewesen. Endlich hatten sie nach langen, harten, arbeitsreichen Wochen Zeit für sich selbst gehabt – und sie hatten sie genossen.
Tränen traten ihr in die Augen, als sie daran dachte, wie Sebastian und sie vor dem lodernden Kaminfeuer gesessen und sich Kekse und Tee hatten schmecken lassen. Sie hatten damals weder teure Mahlzeiten noch exotische Urlaubserlebnisse gebraucht, um glücklich zu sein. Sie waren schon glücklich, solange sie nur zusammen waren. Was für eine Schande, dass sie das anscheinend beide vergessen hatten.
„Willst du weiter hier draußen bleiben? Oder soll ich Jayne herschicken?“
„Ich bleibe noch hier draußen.“
Olivia drehte sich um, bevor er noch etwas sagen konnte. Es hatte keinen Zweck, an die alten Zeiten zu denken, das würde alles für sie beide noch schlimmer machen. Das war Vergangenheit.
Trotzdem beunruhigte es sie, dass sie gegen Sebastians Nähe alles andere als immun war. Eine leichte Berührung von ihm hatte ausgereicht, um sie zu erregen.
Ihr Gesicht war rot, als sie zu dem Rettungswagen eilte, der gerade angekommen war.
Die Sanitäter begrüßten sie freundlich und mit einem aufmunternden Lächeln. Sie schienen nichts dabei zu finden, dass sie eine Fremde war. In dieser Notsituation machte sich keiner darüber Gedanken. Ihnen war es egal, dass sie Sebastian Bridges Frau war und hergekommen war, um von ihrem Mann die Scheidung zu verlangen. Sie hatten nur ein Interesse: die Verletzten so schnell wie möglich in der Obhut der Ärzte zu wissen.
Olivia holte tief Atem und straffte die Schultern. Sie würde es genauso machen – und diese Nacht ganz professionell hinter sich bringen. Und dann würde sie Klarheit schaffen und ihr Leben endgültig in die eigenen Hände nehmen.
Sebastian ging zurück zum Behandlungsraum. Er warf einen Blick auf die Röntgenaufnahmen der zuletzt eingelieferten Verletzten. Der Patient, der auf ihn wartete, hieß Brian Johnston und hatte eine ganze Reihe von Brüchen – beide Oberschenkel, eine Hüfte und mehrere Rippen waren gebrochen.
Sebastian begann, den Verletzten zu versorgen, und versuchte, nicht mehr daran zu denken, wie Olivia auf seine Berührung reagiert hatte. Er verdrängte auch die Erinnerung an den verregneten, aber wunderbaren Urlaub in Wales. Sein Patient brauchte jetzt seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit.
„Wie ist sein Blutdruck?“
„Nicht sehr gut“, sagte Cathy nach einem Blick auf den Monitor.
Sebastian schaute selbst auf die Anzeige. Der Blutdruck des Mannes war im freien Fall. „Sieht so aus, als ob er innere Blutungen hat. Hast du schon mit den Chirurgen gesprochen?“
„Ja. Aber alle Operationssäle sind zurzeit belegt. Sie hoffen, dass sie unseren Patienten in ungefähr zwanzig Minuten übernehmen können.“
„Er hält keine zwanzig Minuten mehr durch. Gib ihm eine weitere Konserve Blutplasma. Ich sehe mir noch einmal die Röntgenaufnahmen an. Vielleicht kann ich feststellen, wo die Blutung ihren Ursprung hat.“
Sebastian ging zu dem Monitor, auf dem die Röntgenbilder abgebildet wurden. Aufmerksam betrachtete er den Unterleib des Patienten. War da in der Gegend des Schambeins nicht ein dunklerer Schatten zu sehen?
„Sieh dir das auch mal an, Ben“, forderte er den Röntgenarzt auf. „Was hältst du von dem Schatten hier?“
„Könnte eine Blutung anzeigen. Muss ich mir näher ansehen.“
„Tu das.“ Sebastian schlug ihm aufmunternd auf die Schulter und ging wieder zu dem Patienten. Marilyn hatte gerade ihren letzten Patienten den Krankenpflegern übergeben. „Warte mal, ich brauche wahrscheinlich deine Hilfe.“
„Dein Wunsch ist mir Befehl, Häuptling“, sagte sie und verdrehte die Augen.
„Nur nicht übertreiben“, meinte Sebastian. „Ich weiß doch, dass du es keinem Mann so leicht machen würdest.“
„Schade, nicht?“, grinste sie frech. Zu seiner Überraschung entdeckte er leichte Enttäuschung in ihren Augen. „Ich dachte nur, es würde dich ein bisschen aufmuntern.“
„Und warum wolltest du mich aufmuntern?“
„Weil du schon den ganzen Tag ziemlich niedergeschlagen wirkst.“ Marilyn zog sich eine frische Schutzhaube über die Haare. Dann sah sie Sebastian neugierig an. „Hast du gewusst, dass deine Frau dich besuchen würde?“, fragte sie ganz unschuldig.
Sebastian verstand sofort, worauf sie hinauswollte. Er wusste, dass Olivias unerwartete Ankunft zu Verwunderung und Diskussionen in seinem Team geführt hatte. Aber obwohl er ein sehr enges Verhältnis zu seinen Mitarbeitern hatte, würde er nicht sein Privatleben mit ihnen diskutieren. Erst wenn alles zu Ende war, die Scheidung in die Wege geleitet und das Ende ihrer Ehe unausweichlich, würde er bereit sein, darüber zu sprechen, um mit allen Gerüchten Schluss zu machen.
„Nein, es war eine absolute Überraschung“, sagte er kurz angebunden.
„Ich nehme an, eine angenehme.“ So leicht gab Marilyn nicht auf. Sie öffnete eine sterile Packung mit OP-Instrumenten und breitete sie auf einem Rollwagen aus.
„Ich freue mich immer, Olivia zu sehen. Leider geschieht das viel zu selten.“ Er wollte nicht weiter mit Marilyn darüber reden. Sie war viel zu clever, als dass sie irgendwelche Ausflüchte nicht sofort durchschaut hätte.
Der Zeitpunkt würde kommen, an dem er den Mitarbeitern reinen Wein einschenken musste. Später. Noch konnte er vorgeben, alles sei in Ordnung, und er stünde nicht vor der schwersten Situation seines Lebens.
Er konnte sich immer noch eine gemeinsame Zukunft mit Olivia vorstellen. Am liebsten hätte er sich eingeredet, seine Frau sei zu ihm gekommen, weil sie bei ihm sein wollte und es vor Einsamkeit nicht aushielt.
Resigniert atmete er durch. Wenn diese Nacht erst einmal überstanden war, musste er den Tatsachen ins Auge sehen und zu einem Entschluss kommen.
4. KAPITEL
Freitag, 21.00 Uhr
„Dr. Bridges ist im Behandlungsraum. Kann er Sie zurückrufen?“
Olivia war gerade an seinem Büro vorbeigekommen, als das Telefon läutete. Sie hob ab. Der Strom der eingelieferten Verletzten hatte in den letzten Stunden nicht enden wollen. In der Notfallstation sah es aus, als ob Krieg herrschte. Verletzte lagen auf Liegen oder hockten in Rollstühlen. Seit sie von draußen hereingekommen war, hatte sie im Behandlungsraum geholfen, so gut sie konnte. Sie hatte Wunden vernäht, Brandverletzungen verbunden und sich in jeder Beziehung nützlich gemacht.
Als der Anrufer weitersprach, war Olivia höchst alarmiert. „Können Sie einen Moment warten? Ich versuche, Dr. Bridges ans Telefon zu rufen.“
Sie eilte aus dem Büro in den Behandlungsraum. Es tat ihr weh zu sehen, wie erschöpft und müde Sebastian aussah. Er hatte dunkle Schatten unter den Augen, und um seine Mundwinkel hatten sich tiefe Linien eingegraben. Lag das an der vielen Arbeit – oder daran, dass er wusste, warum sie hergekommen war?
„Probleme?“, fragte er, als er Olivia auf sich zukommen sah.
„Sieht so aus. Die Küstenwache ist am Telefon. Sie sagen, dass der Kapitän des Tankers seine Frau und seinen Sohn mit an Bord hatte. Eines der Fischerboote hat die beiden an Bord genommen, aber dann machte ein Motorschaden das Boot manövrierunfähig. Es liegt jetzt vor Anker, und der Fischer versucht, den Motor wieder in Gang zu bringen. Er hat über Funk durchgegeben, dass der Junge krank ist. Der Fischer meint, es sei der Blinddarm.“
„Kann denn kein anderes Boot den Jungen an Land bringen?“
„Nein, alle Boote sind unterwegs, um die Verletzten von der Plattform zu holen. Die Küstenwache befürchtet, dass die Hubschrauber nicht mehr lange fliegen können, weil das zu gefährlich wird. Der Sturm ist noch stärker geworden, und die Wellen gehen sehr hoch.“
„Zum Teufel auch, was können wir tun?“ Sebastian rieb sich nachdenklich das Gesicht.
Olivia wusste, dass er verzweifelt nach einem Ausweg suchte. Sie war nicht überrascht, als er plötzlich zur Tür eilte. Wenn jemand aus dieser verfahrenen Situation einen Ausweg findet, dann Sebastian, dachte sie stolz.
„Ich rede mit dem Mann am Telefon. Mal sehen, ob uns nicht etwas einfällt!“
Olivia lief hinter ihm her. Sie wusste, es war nicht gut für sie, so stolz auf ihn zu sein und ihn zu bewundern. Aber sie war gegen das Gefühl machtlos. So war es immer gewesen. Wenn es darum ging, jemandem zu helfen, scheute Sebastian keine Anstrengung und kein Risiko. Wenn sie sich am Anfang körperlich stark von ihm angezogen gefühlt hatte, so war bald die Hochachtung vor seinem Charakter dazugekommen. Sie hatte beide Seiten an ihm geliebt – und tat es immer noch.
„Glaubst du, es ist irgendwie möglich, eine direkte Verbindung mit dem Fischkutter herzustellen? Ich muss mir dringend selbst ein Bild machen, wie es dem Jungen geht.“ Sebastian schob Olivia in sein Büro, als sie vor der Tür zögerte. Er schaltete das Telefon auf Lautsprecher, damit Olivia mithören konnte.
Sie setzte sich in den Stuhl vor seinem Schreibtisch und verschränkte die Hände in ihrem Schoß. Sebastian musste ja nicht unbedingt mitbekommen, dass sie zitterte. Sie zwang sich, ihre eigenen Probleme zu verdrängen, denn sie musste sich auf die Aufgaben konzentrieren, die in dieser Nacht auf sie warteten – und auf die Nöte anderer Menschen.
„Ich heiße Sebastian Bridges und bin der leitende Arzt der Notfallabteilung des Grace-Darling-Hospitals. Spreche ich mit dem Kapitän der Küstenwache?“ Als der Mann am anderen Ende der Leitung das bestätigt hatte, kam Sebastian gleich zur Sache. „Guten Abend, Captain. Können Sie mich auf den neuesten Stand bringen? Wie geht es dem Jungen?“
Olivia beugte sich vor, um besser zu verstehen, was der Chef der Küstenwache sagte. Die Verbindung war sehr schlecht, und die Stimme des Mannes wurde manchmal ganz leise. Aber sie bekam so viel mit, dass es dem Jungen nicht gut ging. Sie betrachtete Sebastian und merkte, dass er sehr besorgt war.
„Wie lange ist es her, dass der Junge nicht mehr über akute Schmerzen geklagt hat?“
Er schüttelte grimmig den Kopf, als er erfuhr, dass es jetzt ungefähr eine Stunde her war. „Das gefällt mir überhaupt nicht. Es hört sich nach einem Blinddarmdurchbruch an. Der Junge muss sehr dringend operiert werden. Haben Sie eine Vorstellung, Captain, wann der Motor des Fischkutters wieder funktioniert?“
Olivia hielt den Atem an. Die Antwort des Leiters der Küstenwache konnte für den Jungen Leben oder Tod bedeuten. Bei Blinddarmdurchbruch bestand für den Jungen unmittelbare Lebensgefahr. Wenn sich der Eiter aus dem Blinddarm erst einmal in die Bauchhöhle ergossen hatte, würde es sehr bald zu einer Bauchfellentzündung kommen, die meist tödlich endete. Sie erschrak, als der Captain sagte, es würde wahrscheinlich noch mehrere Stunden dauern, bevor der Kutter seine Fahrt fortsetzen konnte.
„So lange kann der Junge nicht warten“, sagte Sebastian. „Wenn er eine Chance haben soll, muss er sofort behandelt werden. Bleibt also nur eine Möglichkeit – Sie bringen mich auf das Fischerboot. Geht das?“
Ein paar Minuten lang diskutierte Sebastian mit dem Captain technische Fragen, dann waren sie sich einig. Ein Seenotrettungskreuzer der Küstenwache würde Sebastian zu dem Boot bringen und dann mit ihm und dem Jungen zum Hafen zurückkehren.
Die Vorstellung, dass Sebastian bei dem Sturm und dem enormen Wellengang hinausfahren wollte, alarmierte Olivia. Sie sprang auf, als er aus dem Büro stürmte. „Ich komme mit dir.“ Bevor er ihr Angebot zurückweisen konnte, fuhr sie fort. „Du brauchst Unterstützung. Es ist besser, wenn ich mitkomme, als jemand aus deinem Team. Die werden hier alle dringend gebraucht.“
„Ich halte das für keine gute Idee.“ Die Vorstellung, dass Olivia ihn auf dem riskanten Trip begleiten wollte, passte Sebastian überhaupt nicht. Aber er brauchte nur einen Blick auf ihren entschlossenen Gesichtsausdruck zu werfen, um zu begreifen, dass er ihr die Idee nicht ausreden konnte.
„Es ist die einzige vernünftige Lösung, und das weißt du auch selbst.“ Ihr hübscher Mund hatte sich zu einem schmalen Spalt verzogen.
Sebastian schluckte seinen Ärger herunter. Er wollte jetzt keinen Streit mit Olivia. Schließlich wusste er, wie dickköpfig sie sein konnte. Trotzdem schüttelte er den Kopf. „Meine Antwort ist und bleibt Nein. Du bist kein Mitglied des Krankenhausteams. Das heißt, du trägst jedes mögliche Risiko ganz allein. Ich kann dir also nicht erlauben, mich zu begleiten.“
„Ich habe gar nicht gewusst, dass du so ein Feigling bist“, sagte Olivia kühl.
Der Blick ihrer blauen Augen ließ ihn sich noch unruhiger fühlen. Oberflächlich betrachtet schien es nur um die Frage zu gehen, ob sie ihn begleiten durfte oder nicht. Aber da spielten noch ganz andere Argumente eine Rolle. Hielt sie ihn wirklich für einen Feigling? Steckte hinter diesem Vorwurf nicht auch unausgesprochen die Anklage, er sei für das Scheitern ihrer Ehe verantwortlich, weil er sich vor einem klaren Bekenntnis gedrückt hatte?
Er drehte sich um, damit sie nicht merkte, wie sehr ihn dieser Vorwurf kränkte. „Ich starte in fünf Minuten“, sagte er kurz angebunden. „Wenn du mitkommen willst, treffen wir uns am Eingang. Andernfalls fahre ich allein los.“
Sie antwortete nicht, als er losging.
Sebastian war ihr dafür dankbar. Er wollte jetzt nicht noch stärker daran erinnert werden, welches Chaos er in ihrer beider Leben angerichtet hatte.
Seine Liebe zu Olivia war einmal das feste Fundament gewesen, auf dem er sein Leben aufgebaut hatte. Alles, was er gedacht, geplant, sich erträumt hatte, war ihm wunderbar erschienen, weil er es mit ihr teilte. Inzwischen hatte sie ihre eigenen Träume, und in denen spielte er wohl keine Rolle mehr. Das spezielle Band zwischen ihnen, das ihm das Gefühl gegeben hatte, etwas Besonderes zu sein, war zerrissen. Ohne Olivias Liebe war er nur noch ein ganz normaler Mann. Er wusste nicht, wie er sein Leben gestalten würde, wenn sie ihn endgültig verließ. Das würde er erst lernen müssen. Aber es war wohl zu spät, daran jetzt noch etwas zu ändern …
War es das wirklich?
Sebastians Herz hämmerte plötzlich wie wild. Gab es nicht doch noch eine Chance, dass sie ihren Entschluss änderte? Er hatte allerdings keine Vorstellung, wie er das schaffen könnte. Alles hing davon ab, ob Olivia noch genug für ihn empfand. Aber auch das konnte er kaum richtig einschätzen. Früher war er sicher gewesen, dass sie ihn bewunderte, aber seitdem war viel Zeit vergangen. Das war nur noch eine wehmütige Erinnerung an frühere, bessere Tage, ohne Bezug zur Wirklichkeit, obwohl Sebastian sie nie aus dem Gedächtnis verloren hatte.