Mein Boss, der Traumtyp - 4 heiße Lovestorys

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

MILLIONÄRE KÜSSEN BESSER! von KATE CARLISLE

Brandon traut seinen Ohren kaum, als seine Sekretärin Kelly ihm offenbart, dass sie ihre Kuss-Technik verbessern muss, weil sie ihren Ex-Freund zurückgewinnen will! Doch nur ein Kuss reicht ihm nicht. Die süße Kelly soll das Bett mit ihm teilen – und keinen Gedanken mehr an ihren Ex verschwenden …

SINNLICHE ÜBERSTUNDEN MIT DEM BOSS von DANI WADE

Eine heiße Affäre mit seiner neuen Assistentin würde Sloan den Alltag sehr versüßen. Er macht sich daran, Ziara zu erobern – und freut sich auf erotische Überstunden. Aber Ziara will mehr: Sie wünscht sich eine gemeinsame Zukunft – und Sloan weiß nicht, ob er ihr die bieten kann …

GLÜCKSSPIEL DES SCHICKSALS von CAT SCHIELD

Seit Missy mit ihrem attraktiven Boss Sebastian in Las Vegas ist, erkennt sie sich selbst kaum wieder. Erst hat sie sich ein sexy Cocktailkleid gekauft. Jetzt steht sie neben Sebastian am Roulettetisch, riskiert den hohen Einsatz und raunt ihm zu: Fällt die Kugel auf Schwarz, dann bleibt sie seine Assistentin. Bei Rot dagegen kündigt sie und verbringt mit ihm die Nacht. Die Kugel rollt – und fällt auf Rot. Ein prickelnder Schauer überläuft Missy, als sie das Verlangen in Sebastians Augen sieht. Sie ahnt: Diese Nacht wird zum Glücksspiel des Schicksals …

KEINER KÜSST SO HEISS WIE DU von JENNIFER LEWIS

Klopfenden Herzens huscht Brooke aus dem Büro – ja, sie hat den heißen Küssen ihres Chefs RJ nachgegeben! Doch nach den atemlosen Minuten der Leidenschaft kommen die Zweifel: Was wird RJ tun, wenn er erfährt, dass Brooke demnächst vor Gericht gegen seine Mutter aussagen muss?


  • Erscheinungstag 03.04.2025
  • ISBN / Artikelnummer 9783751537087
  • Seitenanzahl 576
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Kate Carlisle

Millionäre küssen besser!

IMPRESSUM

BACCARA erscheint in der Harlequin Enterprises GmbH

Cora-Logo Redaktion und Verlag:
Brieffach 8500, 20350 Hamburg
Telefon: 040/347-25852
Fax: 040/347-25991
Geschäftsführung: Thomas Beckmann
Redaktionsleitung: Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)
Cheflektorat: Ilse Bröhl
Produktion: Christel Borges, Bettina Schult
Grafik: Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn,
Marina Grothues (Foto)
Vertrieb: Axel Springer Vertriebsservice GmbH, Süderstraße 77,
20097 Hamburg, Telefon 040/347-29277

© 2011 by Kathleen Beaver
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V., Amsterdam

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe BACCARA
Band 1703 - 2012 by Harlequin Enterprises GmbH, Hamburg
Übersetzung: Roswitha Enright

Fotos: Harlequin Books S.A.

Veröffentlicht im ePub Format im 02 / 2012 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

eBook-Produktion: GGP Media GmbH , Pößneck

ISBN 978-3-86494-072-9

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Führung in Lesezirkeln nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine Haftung. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:
BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY, TIFFANY, STURM DER LIEBE

CORA Leser- und Nachbestellservice
Haben Sie Fragen? Rufen Sie uns an! Sie erreichen den CORA Leserservice montags bis freitags von 8.00 bis 19.00 Uhr:
CORA Leserservice Telefon 01805 / 63 63 65*
Postfach 1455 Fax 07131 / 27 72 31
74004 Heilbronn E-Mail Kundenservice@cora.de
* 14 Cent/Min. aus dem Festnetz der Deutschen Telekom, abweichende Preise aus dem Mobilfunknetz

www.cora.de

1. KAPITEL

„So geht das nicht. In Zukunft werden sämtliche Urlaube gestrichen“, murmelte Brandon Duke vor sich hin, als er nach seinem Kaffeebecher griff und feststellte, dass er leer war. Was ihn wieder daran erinnerte, dass seine unschätzbare Assistentin Kelly Meredith erst heute aus dem Urlaub zurückkommen würde. Schon zwei Wochen war sie jetzt weg. Seiner Ansicht nach waren das vierzehn Tage zu viel.

Natürlich konnte er sich auch selbst einen Kaffee machen, das war keine große Sache. Nur war er es gewohnt, dass Kelly ihn in diesem Punkt sehr verwöhnte. Noch bevor er etwas gesagt hatte und kaum dass er ausgetrunken hatte, kam sie mit frischem Kaffee. Aber auch in anderer Hinsicht schien sie Gedanken lesen zu können. Sie war voller Energie, und die Kunden liebten sie. Computerprogramme erschreckten sie nicht, und ihre ausgezeichnete Menschenkenntnis war Brandon sofort aufgefallen. Diese Fähigkeit war nicht mit Gold aufzuwiegen. Deshalb hatte er sich angewöhnt, Kelly oft auf Geschäftsreisen mitzunehmen.

Auch er hatte ein gutes Gefühl für seine Gesprächspartner und durchschaute die Absichten der Konkurrenten relativ schnell. Aber wenn Kelly ihn in seiner Einschätzung unterstützte, konnte er sicher sein, dass er richtiglag. Selbst seine Brüder hatten ihr Talent erkannt und zogen sie zurate, wenn es um Einstellungen oder allgemeine Personalprobleme ging. Außerdem war sie überall einsetzbar. Und wenn es irgendeine Aufgabe gab, zu der keiner Lust hatte oder die sich keiner zutraute, übernahm Kelly sie gern. Seit sie in der Firma war, klappte einfach alles besser.

Jetzt, am frühen Morgen, war es im Bürotrakt noch ruhig. Brandon fing an, sich Notizen für die spätere Besprechung mit seinen Brüdern zu machen. Heute sollte die luxuriöse Ferienanlage am Silverado Trail hier im Napa Valley eröffnet werden, die neueste Erwerbung des Duke’schen Hotelimperiums. Es wurde also Zeit, sich nach neuen Projekten umzusehen. Kurz las er sich durch, was er notiert hatte, und auch das erinnerte ihn an Kelly: Sie war die Einzige, die seine Handschrift entziffern konnte. Damit hatte selbst er manchmal Schwierigkeiten. Als Nächstes stand der Kauf einer kleinen Kette von Luxushotels an, die an der malerischen Küste Oregons lagen.

Schnell warf Brandon einen Blick auf seinen Terminkalender. Für jede Stunde war etwas notiert, und vieles hatte mit der Eröffnung zu tun. Gut, dass Kelly heute zurückkam. Zwar war die Urlaubsvertretung durchaus fähig gewesen, aber nur Kelly konnte mit dem Stress und den Konflikten umgehen, die meistens mit solchen Ereignissen verbunden waren.

Hinzu kam, dass eine seiner Schwägerinnen ein Kind erwartete, ihr erstes und das zweite Enkelkind seiner Mutter, die darüber vollkommen aus dem Häuschen war. Was sollte er dem Kind bloß schenken? Vielleicht eine Jahreskarte für die Football-Saison? Bestimmt hatte Kelly eine gute Idee und würde nicht nur etwas Passendes kaufen, sondern das Geschenk auch noch entsprechend einpacken.

In diesem Augenblick hörte er, wie in seinem Vorzimmer mit Papier geraschelt wurde und jemand Schubladen aufzog. „Guten Morgen, Brandon!“, zwitscherte eine fröhliche Stimme.

„Wurde auch Zeit! Gut, dass Sie endlich wieder da sind.“ Erleichtert atmete er auf. „Kommen Sie rein, sobald Sie können.“

„Selbstverständlich. Ich mache nur noch schnell einen Kaffee.“

Brandon sah kurz auf die Uhr. Typisch, Kelly war eine Viertelstunde zu früh. Eine bessere Angestellte konnte er sich wirklich nicht wünschen. Sie verdiente alle Vorteile, die so ein Job bot. Aber die Sache mit dem Urlaub würde er sich noch einmal sehr genau überlegen.

„Schön, wieder hier zu sein“, sagte Kelly leise vor sich hin, als sie ihren Rechner hochfuhr. Es war kaum zu glauben, aber Brandon Duke hatte ihr in den letzten vierzehn Tagen wirklich gefehlt. Bei dem Klang seiner tiefen Stimme bekam sie immer eine Gänsehaut, was sicher damit zu tun hatte, dass sie ihren Job so sehr liebte. Schnell verstaute sie ihre Handtasche im Schreibtisch und ging dann zu der kleinen Küchenzeile, um Kaffee zu machen. Während sie das Wasser in die Maschine goss, zitterte ihr die Hand. Weshalb war sie nur so nervös? Dass sie endlich wieder an ihrem Arbeitsplatz war, konnte doch nicht der Grund sein.

Sicher, während des Urlaubs hatte sie einiges an ihrem Aussehen verändert, aber das würde sowieso keinem auffallen. Man schätzte sie hier allein wegen ihrer Kompetenz und ihrer Einsatzbereitschaft, und das war ihr sehr recht. Heute hatte sie zwar statt des sonst üblichen Hosenanzugs ein Kleid angezogen, aber das würde keiner bemerken. Auch wenn das Kleid aus sehr geschmeidigem Stoff bestand und, obgleich hochgeschlossen, ihre Kurven sanft nachzeichnete. Außerdem hatte sie sich endlich dazu durchgerungen, sich Kontaktlinsen anpassen lassen. Seit fünf Jahren hatte sie dieselbe langweilige Brille getragen, das musste mal ein Ende haben.

„Kelly“, rief Brandon durch die halb geöffnete Tür, „bringen Sie bitte die Akte Traumküste mit.“

„Mach ich.“

Bei dem vertrauten Klang von Brandons Stimme musste Kelly lächeln. Eigentlich hätte seine Erscheinung sie einschüchtern müssen. Immerhin überragte er sie mit seinen ein Meter neunzig bei Weitem. Und sie wusste genau, dass er sehr kräftig gebaut war, denn sie war ihm mehr als einmal in dem hoteleigenen Fitnesscenter begegnet. In Shorts und T-Shirt wirkte er sehr muskulös. Kein Wunder: Er hatte früher professionell Football gespielt.

Sie musste lächeln, als sie an die Bemerkungen einiger ihrer Freundinnen dachte. Die würden alles dafür tun, um den attraktiven Brandon Duke in Shorts und T-Shirt beim Work-out zu beobachten. Glücklicherweise war sie nie in Versuchung gekommen, mit ihm zu flirten. Zugegeben, Brandon sah unglaublich gut aus, aber Kelly war der Beruf viel zu wichtig, als dass sie ihn für eine kurze, unbedeutende Affäre mit ihrem Chef aufs Spiel gesetzt hätte. Und kurz und unbedeutend würde sie sein, das wusste sie genau. Denn sie hatte zu oft miterlebt, wie er die Frauen, die sich ihm buchstäblich an den Hals warfen, nach wenigen Wochen wieder abservierte. Nein, zu diesen Frauen wollte sie nicht gehören, würde sie auch nie gehören, weil er gar kein Interesse an ihr …

Wie komme ich denn jetzt auf diese Idee? Noch nie hatte sie ihren Chef von dieser Seite her betrachtet. Verärgert schüttelte sie den Kopf. Was war nur in sie gefahren?

Als der Kaffee durchgelaufen war, nahm Kelly die Kanne und blickte kurz aus dem großen Fenster auf die weiten Anbauflächen des Napa Valleys. Immer wieder genoss sie den Anblick der Weinstöcke, die sich bis an den Horizont erstreckten, und war stolz, dass sie hier arbeiten durfte. Seit vier Monaten hatte Brandon mit seinem Stab sein Büro im Grandhotel aufgeschlagen, dem Mittelpunkt des neuen Ferienresorts, das heute eröffnet werden sollte. Wahrscheinlich würde er mit seinen Leuten noch etwa einen Monat bleiben, um die Weinlese abzuwarten und sicher zu sein, dass alles reibungslos funktionierte. Dann würden sie in die Hauptverwaltung nach Dunsmuir Bay in der Nähe von San Francisco zurückkehren.

Kelly atmete einmal tief durch und goss Kaffee in zwei große Kaffeebecher. „Immer mit der Ruhe“, redete sie sich gut zu, während sie das Kleid glatt strich und dann nach den Bechern griff. Einen ließ sie auf dem eigenen Schreibtisch stehen, den anderen sowie einen kleinen Stapel Post nahm sie mit in Brandons Büro.

„Guten Morgen“, sagte sie leise und legte ihm die Post auf den Tisch.

„Morgen, Kelly.“ Er blickte nicht hoch, sondern machte sich eifrig Notizen. „Gut, dass Sie wieder da sind.“

„Danke. Ich bin auch froh, wieder im Büro zu sein. Hier ist Kaffee für Sie.“ Sie stellte den Becher auf den Schreibtisch.

„Danke …“ Er schrieb immer noch. Nach einer Weile griff er nach dem Kaffee und blickte hoch. Er riss die Augen auf und stellte den Becher vorsichtig wieder ab. „Kelly?“

„Ja?“ Sie sah ihn fragend an. „Ach so. Ich sollte die Akte mitbringen. Entschuldigung, ich hole sie gleich.“

„Kelly?“, wiederholte er leise.

Sie blieb stehen und drehte sich um. „Was ist, Brandon?“

Er starrte sie an, als hätte er einen Geist gesehen. Ungläubig, schockiert? Entsetzt? Himmel, das war kein gutes Zeichen. Und je länger er sie ansah, desto nervöser wurde sie. „Was ist denn?“, fragte sie schließlich. „So schlimm sehe ich doch auch wieder nicht aus.“ Verlegen nestelte sie an ihrem Kragen, denn sie fühlte, wie sie rot wurde.

„Was haben Sie mit …?“ Die Stimme versagte ihm, während er Kelly unablässig anstarrte.

„Ach, Sie meinen die Kontaktlinsen? Wurde Zeit, dass ich da mal was ändere. Bin gleich mit der Akte zurück.“

„Kelly!“ Das war ein Befehl.

Wieder drehte sie sich um. Immer noch sah er sie an; diesmal hatte er den Blick auf ihr Haar gerichtet. Mit zitternden Fingern strich sie sich eine Strähne aus dem Gesicht. „Ach so, das. Ich habe einen neuen Schnitt und mir das Haar etwas heller tönen lassen. Das ist alles.“ Diesmal ließ sie sich nicht zurückhalten, sondern verschwand im Vorzimmer. Du liebe Zeit. Brandons Reaktion nach zu urteilen, musste sie auf die anderen ja geradezu wie eine Außerirdische wirken. Mist! Wie sollte sie unter diesen Umständen die notwendige Gelassenheit aufbringen, um ihren Plan umzusetzen?

Während sie hastig nach der Akte suchte, hörte sie plötzlich ein wohlbekanntes Geräusch. Brandon schob seinen ledernen Schreibtischsessel zurück und stand auf. Als sie Sekunden später hochsah, lehnte er bereits an der Tür.

„Kelly?“

Sie warf ihm einen ungeduldigen Blick zu. „Was ist denn? Warum wiederholen Sie ständig meinen Namen?“

„Um mich zu vergewissern, dass es auch Sie sind.“

„Okay, ich bin Kelly Meredith. Jetzt hören Sie auf damit.“ Endlich hatte sie gefunden, was sie suchte. „Hier ist die Akte.“

„Was haben Sie gemacht?“

„Das haben Sie mich doch schon gefragt.“

„Und Sie haben mir noch nicht geantwortet.“

Während sie tief Luft holte, straffte sie die Schultern. Kein Grund, unsicher zu sein. Vor allem nicht Brandon gegenüber . Er hatte ihre Fähigkeiten immer gelobt und bezahlte sie sehr gut. Dass er sie respektierte und für ihren Einsatz bewunderte, wusste sie. Und schließlich war er nur ihr Chef, nicht Herr über ihr Leben. „Ich habe mich mal ein bisschen um mein Äußeres gekümmert.“

„Ein bisschen?“

„Ja. Ich habe ein paar Pfund abgenommen, war beim Friseur und habe mir Kontaktlinsen angeschafft. Keine große Sache.“

„Ich glaube aber schon. Sie sehen vollkommen anders aus.“

„Das ist doch Unsinn.“ Natürlich würde sie ihm nicht erzählen, dass sie eine Woche in einem teuren Spa verbracht hatte. Wenn er das wüsste, würde Brandon sie für verrückt erklären. Vielleicht war sie das auch. Doch sie war immer sehr zielstrebig gewesen, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte.

„Aber Sie tragen ein Kleid.“ Das klang fast vorwurfsvoll.

„Ja, das stimmt. Haben Sie etwas dagegen?“

Abwehrend hob er die Hände. „Nein. Um Himmels willen, nein! Im Gegenteil, Sie sehen toll aus. Es ist nur …“ Verlegen rieb er sich das Kinn. „Normalerweise haben Sie doch nie ein Kleid an.“

Dann hatte er das immerhin bemerkt? „Aber jetzt.“

„Hm … allerdings.“ Er runzelte die Stirn. Offenbar wusste er nicht, was er von dieser neuen Kelly halten sollte. „Wie ich schon sagte: Sie sehen gut aus. Sehr gut sogar.“

„Danke, ich fühle mich auch gut.“

„Das ist … das ist … gut.“ Immer noch hatte er die Stirn gerunzelt.

Wenn alles gut war, warum sah er sie dann so grimmig an? „Ach so.“ Sie reichte ihm die Akte. „Hier sind die Unterlagen.“ Kurz berührten sich ihre Hände, als er den Hefter entgegennahm, und Kelly wurde ganz heiß.

„Danke“, murmelte er und wandte sich zu seinem Büro um. „Gut, dass Sie wieder da sind.“

Wie oft hat er jetzt gut gesagt? Was war denn nur los mit ihm? „Ich kümmere mich jetzt um den Monatsabschluss. Sie haben die Zahlen in zwanzig Minuten.“

„Gut.“

Während er die Tür zuzog, ließ sie sich auf ihren Schreibtischstuhl sinken. Sie atmete tief durch, griff nach ihrem Kaffeebecher und trank einen großen Schluck. O ja, es ist gut, wieder hier zu sein.

Brandon warf die Akte im Vorbeigehen auf den Schreibtisch und trat an das große Panoramafenster, das eine der Wände einnahm. Er hatte sein Büro im obersten Stockwerk des prächtigen Herrenhauses eingerichtet, das zum Grandhotel umgebaut worden war. Der Blick von hier oben war einfach atemberaubend. Normalerweise erfüllte ihn, wenn er auf die langen Reihen der Rebstöcke blickte, Stolz auf all das, was seine Familie bisher erreicht hatte.

Heute wollte sich dieses Gefühl jedoch nicht so recht einstellen. Irgendwie war er unruhig, und als er den Hauch eines süßen Parfums wahrnahm, drehte er sich stirnrunzelnd um. Was war das? Kelly benutzte doch sonst kein Parfum. Oder hatte er es bisher nur nicht gemerkt? Wie auch immer, plötzlich stieg das Bild eines kühlen Hotelzimmers in ihm auf. Mit einem großen Bett. In dem Bett lag eine schlanke Blonde. Sie war nackt.

Kelly. Er hatte ihren Duft immer noch in der Nase. Verdammt.

Er hatte sich gerade vollkommen lächerlich gemacht. Hatte sie angestarrt wie ein hungriger Hund ein saftiges Stück Fleisch. Und war nicht einmal fähig gewesen, irgendetwas einigermaßen Sinnvolles zu sagen. Stattdessen hatte er immer wieder ihren Namen gestammelt. Aber das war ihre Schuld. Der Schock war einfach zu groß gewesen. So etwas war ihm noch nie passiert.

Was hatte sie gesagt? Sie habe sich ein bisschen um ihr Äußeres gekümmert. Warum nur? So wie sie gewesen war, war sie für ihn die perfekte Assistentin. Kompetent, intelligent, diskret. Keine Gefahr durch zu viel Weiblichkeit. Denn Ablenkung konnte er am Arbeitsplatz nicht gebrauchen.

Ablenkung . Seufzend stützte Brandon sich mit einem Arm am Fenster ab und lehnte sich mit der Stirn dagegen. Wer hätte gedacht, dass sich unter Kellys langweiligen Hosenanzügen derart aufregende Beine und verführerische Kurven verbargen? Und wegen der großen Brille war ihm nie aufgefallen, was für schöne blaue Augen sie hatte. Außerdem hatte sie anscheinend das erste Mal Lippenstift benutzt. Sonst wären ihm diese weichen vollen Lippen bestimmt schon früher aufgefallen.

Und dieses Kleid … Es hatte eng angelegen und ihre Brüste genau nachgezeichnet. Seltsam, dass er bisher keinen Blick für ihre aufregende Figur gehabt hatte. Er hatte sie doch oft genug im Fitnesscenter gesehen. Aber dort hatte sie immer Trainingshosen und ein übergroßes T-Shirt getragen. Da war beim besten Willen nichts zu sehen gewesen. Sie hatte ihn also all die Jahre getäuscht!

Na gut, das war vielleicht nicht ganz gerecht. Andererseits, wer konnte ihm übel nehmen, dass er sich irgendwie betrogen fühlte? Seine ruhige, fleißige, unscheinbare Assistentin sah in Wirklichkeit hinreißend aus. Und nicht nur das. Als sich eben ihre Hände kurz berührt hatten, war ihm kurz ganz heiß geworden. Vielleicht hatte er sich das auch nur eingebildet, aber wenn er sich jetzt die Situation wieder vorstellte, reagierte er in gleicher Weise. Schlimmer, er spürte deutlich seine Erregung. Frustriert stieß er sich vom Fenster ab.

„Veränderungen sind gut“, stieß er grimmig hervor und ließ sich wieder in seinen Schreibtischsessel fallen. Nein, Veränderungen waren gar nicht gut. Nicht, wenn er an Kellys eher unauffälliges Haar gewöhnt war, das sie normalerweise zu einem Pferdeschwanz zusammenfasste oder als Knoten trug. Jetzt hatte es nicht nur diese betörende honiggoldene Farbe, sondern fiel ihr auch noch offen über den Rücken. Welcher Mann würde sich die seidigen Strähnen nicht gern durch die Finger gleiten lassen? Und sich dann hinunterbeugen, um diese vollen rosigen Lippen zu küssen.

So etwas sollte er nicht einmal denken! Um die unmissverständliche Reaktion seines Körpers zu unterdrücken, schlug er den schmalen Aktenordner auf und versuchte, sich auf die Unterlagen zu konzentrieren. Umsonst. Er konnte seine Gedanken nicht von der Frau im Vorzimmer lösen. Verdammt, so etwas durfte ihm nicht passieren! Am Arbeitsplatz mussten Ordnung und Disziplin herrschen, darauf hatte er immer geachtet. Denn die Arbeit war zu anspruchsvoll und Kelly als Mitarbeiterin zu wichtig, als dass er sich von ihr ablenken lassen durfte. Es musste etwas geschehen. Er drückte auf den Knopf der Gegensprechanlage. „Kelly, würden Sie mal kurz reinkommen?“

„Ja, sofort.“ Sieben Sekunden später trat sie durch die Tür, den Schreibblock in der Hand.

„Bitte, setzen Sie sich.“ Ruhelos stand er auf und ging im Raum hin und her. Er wagte es nicht, einen Blick auf ihre Beine zu werfen. So ging es wirklich nicht weiter. „Wir müssen uns unterhalten.“

„Was ist denn los?“, fragte sie alarmiert.

„Wir waren doch immer ehrlich zueinander, oder?“

„Ja …“

„Sie wissen, dass Sie mein volles Vertrauen haben.“

„Ja. Und Sie meins, Brandon.“

„Gut.“ Er räusperte sich, weil er nicht wusste, wie er fortfahren sollte. „Gut.“ Und jetzt? Er war noch nie um die passenden Worte verlegen gewesen, aber jetzt fiel ihm nichts ein. Er sah sie kurz an und blickte schnell wieder weg. Wieso war sie plötzlich so hübsch? Er durchschaute Frauen, ja, er hatte fast so etwas wie einen sechsten Sinn für sie. Er liebte Frauen, und sie liebten ihn. Warum war ihm nicht früher aufgefallen, wie attraktiv Kelly war?

„Brandon“, fing Kelly schließlich wieder an. „Sind Sie nicht zufrieden mit meiner Arbeit?“

„Was? Nein, doch …“

„Hat Jane ihren Job nicht gut gemacht, als ich weg war?“

„Ich war sehr zufrieden mit ihr. Darum geht es nicht.“

Erleichtert atmete sie auf. „Gut, das beruhigt mich. Denn ich hasse es …“

„Kelly“, unterbrach er sie jetzt schnell. „Haben Sie während Ihrer Ferien irgendetwas Besonderes erlebt?“

Erstaunt sah sie ihn an. „Nein, wie kommen Sie denn darauf?“

„Aber warum haben Sie sich dann äußerlich so verändert?“, platzte er heraus. „Weshalb die Mühe?“

Verärgert runzelte sie die Stirn. „Haben Sie mich deshalb herzitiert?“

„Ja.“ Obwohl er wusste, wie lächerlich er sich machte, fragte er weiter: „Warum meinen sie plötzlich, dass Sie sich so aufbrezeln müssen …“

Sie kniff die Augen zusammen. „Aufbrezeln?“

„Na ja, Sie wissen schon, mit Make-up … und überhaupt.“

„Ist etwas dagegen einzuwenden, dass ich möglichst gut aussehen will?“

„Das meine ich doch nicht.“

„Habe ich zu dick aufgetragen? Die Frau in der Parfümerie hat mir zwar gezeigt, was ich machen soll, aber noch habe ich nicht viel Erfahrung.“ Sie hob ihm das Gesicht entgegen; die rosa Lippen schimmerten. „Sagen Sie ehrlich: Bin ich zu stark geschminkt?“

„Um Himmels willen, nein, es ist genau richtig.“ Viel zu richtig.

„Das sagen Sie nur, weil Sie nett sein wollen. Denn so, wie Sie mich vorhin angesehen haben …“

„Was? Nein!“ Du liebe Zeit, sie wird doch nicht anfangen zu weinen? Kelly hatte in seiner Gegenwart noch nie geweint.

„Und ich dachte, ich könnte es. Genauso wie andere Frauen.“ Sie sprang auf und schlug sich mit der Faust auf die Handfläche. „Ich habe mir so viel Mühe gegeben. Sehe ich lächerlich aus?“

„Aber nein, Sie …“

„Seien Sie ehrlich.“

„Ich bin …“

Doch sie hörte kaum zu. „Es war von Anfang an eine verrückte Idee“, stieß sie leise hervor und lehnte sich seufzend gegen die Wand. „Ich kann alle möglichen komplizierten mathematischen Kalkulationen machen, aber ich bin unfähig, jemanden zu verführen.“

Verführen? Das Wort traf ihn wie ein Hieb in den Magen, sodass er sie nur sprachlos anstarren konnte.

„Das ist alles so peinlich!“

„Nein, überhaupt nicht“, warf er schnell ein.

„Doch! Was soll ich nur tun? Ich habe nur noch eine Woche Zeit …“ Kurz legte sie sich die Hand auf die Augen. Dann richtete sie den Blick an die Decke, verschränkte die Arme vor der Brust, während sie wütend mit den zehn Zentimeter hohen High Heels aufstampfte. „Wie konnte ich nur so dumm sein!“

Schnell ging Brandon auf sie zu und nahm sie bei den Schultern. „Hören Sie auf damit. Sie sind eine der klügsten Frauen, die ich kenne.“

„Vielleicht was den Job betrifft. Aber nicht, wenn es um Männer geht.“

Hm, dann scheint sie im Augenblick nichts anderes als Flirten und Verführen im Kopf zu haben . Und ich auch . Aber warum? In all den Jahren hatte Kelly nie irgendeinen Namen fallen lassen oder auch nur angedeutet, dass sie verliebt sei. Und jetzt wollte sie plötzlich irgendeinen Mann verführen? Aber wen? Kannte Brandon ihn? Und war er auch gut genug für Kelly? „Für wen haben Sie sich denn so schön gemacht?“

„Für Roger. Meinen Exfreund. Aber ich hätte mir gleich denken können, dass es nicht funktioniert.“

„Wer ist denn Roger?“ Einerseits war Brandon froh, dass sie es nicht auf ihn abgesehen hatte, denn so etwas konnte er am Arbeitsplatz nicht gebrauchen. Andererseits …

„Das habe ich doch gerade gesagt. Mein Exfreund. Roger Hempstead.“ Mit einer schnellen Bewegung löste sie sich aus Brandons Griff. „Wir haben uns vor ein paar Jahren getrennt, und seitdem habe ich ihn nicht wiedergesehen.“

„Wann haben Sie sich denn getrennt?“

„Vor ungefähr fünf Jahren.“

„Also kurz bevor Sie bei uns angefangen haben.“

„Ja.“ Leise seufzend ließ sie sich auf den Stuhl fallen. „Nachdem wir uns getrennt hatten, konnte ich nicht mehr in der kleinen Stadt bleiben, wo jeder jeden beobachtet. Also beschloss ich, möglichst weit wegzuziehen. Glücklicherweise fand ich dann diesen Job hier.“

„Darüber bin ich auch froh. Aber es muss ja eine traumatische Trennung gewesen sein.“

„Ziemlich schlimm. Aber jetzt bin ich darüber hinweg.“

„Wirklich?“

„Ja. Zumindest war ich das, bis ich herausgefunden hatte, dass Rogers Firma in der nächsten Woche hier eine Tagung abhalten wird. Er wird also nächste Woche hier sein!“ Langsam hob sie den Kopf und sah Brandon traurig an. „Und ich wollte, dass mein Anblick ihn einfach umhaut.“

„Ach so.“ Er lehnte sich gegen die Schreibtischkante. „Wenn es Sie irgendwie tröstet, kann ich Ihnen garantieren, dass er hingerissen sein wird.“

„Tatsächlich?“ Sie war immer noch skeptisch. „Sie sagen das nur, weil Sie nett sind.“

„So nett bin ich nun auch wieder nicht, das müssen Sie mir glauben.“

„Das tue ich auch. Zumindest normalerweise.“

„Immerhin.“ Er grinste. „Also, vor fünf Jahren haben Sie sich von diesem Roger getrennt. Und jetzt wollen Sie ihn beeindrucken.“

„O ja!“

„Und das werden Sie. Ich verspreche es Ihnen.“

„Danke. Aber ich weiß nicht, wie ich es anstellen soll. In meinem Beruf bin ich gut, aber mit Männern …?“

„Sagen Sie mir, wo das Problem liegt. Vielleicht kann ich Ihnen helfen.“

Hoffnungsvoll sah Kelly zu ihm auf. „Meinen Sie das ernst?“

„Ja, natürlich.“ Er würde fast alles dafür tun, dass der alte Zustand wiederhergestellt wurde. Wenn Kelly sich gut fühlte, würde sie in der Lage sein, ihren Job wie früher zu machen, und nicht mehr so viel an diesen Roger denken. Und wenn der dann wieder abgereist war, würde sie sich in die alte Kelly zurückverwandeln, mit der er bisher so problemlos zusammengearbeitet hatte.

„Das wäre toll!“ Jetzt strahlte sie ihn auch noch an … „Jemand wie Sie kann mir bestimmt den richtigen Rat geben.“

„Jemand wie ich? Warum gerade jemand wie ich?“

Sie lächelte, und ihre Augen leuchteten. Verdammt, warum hatte er früher nie bemerkt, wie hübsch sie war? „Weil Sie und Roger sich sehr ähnlich sind. Zu wissen, wie Sie die Dinge sehen, würde mir sehr helfen.“

„Was meinen Sie damit? Dass dieser Roger und ich uns ähnlich sind?“

„Na ja, Sie sind beide selbstbewusst, sehen gut aus, sind überheblich und gehen manchmal über Leichen. Typ A eben.“

Unwillkürlich musste er schlucken. Das war deutlich genug. Und er hatte immer geglaubt, im Gegensatz zu seinen Brüdern umgänglich und rücksichtsvoll zu sein. Aber selbstbewusst und gut aussehend, das gefiel ihm. Als Kelly leise hinzufügte: „Kein Wunder, dass ich ihm nicht genügt habe“, sah er sie stirnrunzelnd an.

„Wieso haben Sie ihm nicht genügt?“

„Sie wissen schon, was ich damit sagen will. Ich war ihm nicht attraktiv genug.“

„Wie kommen Sie denn darauf?“

„Er hat es mir gesagt.“

„Das kann nicht wahr sein!“

„Doch. Das ist mein völliger Ernst.“ Sie lachte kurz trocken auf. „Und er hatte recht. Sie wissen doch selbst, wie ich früher aussah. Blass und nichtssagend. Nicht gerade wie ein Supermodel.“

Stimmt. Beinahe hatte er ein schlechtes Gewissen, als ihm klar wurde, dass er immer genau das gedacht hatte. Nur dass ihn ihr Aussehen nie gestört hatte, im Gegenteil.

„Aber ich habe ihn auch verstanden“, fuhr sie leise fort. „Wenn man bedenkt, aus welcher Familie er kommt. Er ist eben schon etwas Besonderes.“

„Etwas Besonderes? Besonders dumm, würde ich sagen.“

Sie schmunzelte, wurde aber schnell wieder ernst. „Da ist was dran. Aber er kann nichts dafür. Er ist stark von seiner Familie beeinflusst. Und die Vorfahren seiner Mutter kamen schon mit der Mayflower hierher.“

„Wohl als Teil der Mannschaft, was?“ Über so viel Borniertheit konnte er nur den Kopf schütteln. „Sagen Sie ehrlich, Kelly: Wollen Sie Roger endgültig loswerden? Ich kenne nämlich jemanden, der kennt jemanden, und der kennt einen Berufskiller, der …“

Lachend hob sie die Hände. „Um Himmels willen, nein! Das ist zwar ein verführerischer Vorschlag, aber ich will nur, dass ihm leidtut, wie er mich damals behandelt hat.“

Nachdenklich sah er sie an. „Er hat Ihnen wehgetan?“

„Nein. Er hat mir die Wahrheit gesagt, und dafür muss ich ihm dankbar sein.“

„Warum?“

„Weil er mir geholfen hat, die Dinge klarer zu sehen.“

„Was für Dinge?“

Ein kurzes Schulterzucken. „Meine Unzulänglichkeiten.“

Unwillkürlich ballte Brandon die Fäuste. Wenn der Kerl jetzt vor ihm stünde …

Doch Kelly lächelte tapfer. „Deshalb habe ich beschlossen, ihn wieder zurückzugewinnen.“

„Was? Den Kerl wollen Sie wiederhaben?“ War sie nicht ganz normal? Obwohl er Roger nicht kannte, hasste Brandon ihn schon.

„Ja. Deshalb habe ich doch das alles auf mich genommen.“ Dann sah sie so eindeutig auf die Uhr, dass klar war: Sie wollte das Gespräch beenden. Was vielleicht auch gut war. „Wie sieht es aus?“, wechselte sie das Thema. „Soll ich etwas zum Lunch bestellen?“

„Ja …“ Das kam zögernd, weil er immer noch an das denken musste, was sie ihm gesagt hatte. „Okay, bestellen Sie für mich ein Steak-Sandwich. Und noch eins, Kelly: Wenn Sie Hilfe oder einen Rat brauchen, dann kommen Sie zu mir. Das müssen Sie mir versprechen.“

„Meinen Sie das ernst?“

„Ja, natürlich.“

Ein paar Sekunden lang betrachtete sie ihn nachdenklich, dann lächelte sie vorsichtig. „Gut. Da wäre eine kleine Sache, bei der ich Ihren Rat bräuchte.“

„Kein Problem.“ Er griff nach seinem Kaffeebecher.

„Bin gleich wieder da.“ Sie lief ins Vorzimmer und kam mit einer Tüte eines sehr bekannten und teuren Wäschegeschäfts zurück. Nach einem unsicheren Blick auf Brandon zog sie schließlich zwei winzige Teile aus der Tüte und ließ sie vor seiner Nase baumeln. „Welcher Slip gefällt Ihnen besser: der schwarze oder der rote?“

2. KAPITEL

Hustend stellte Brandon den Becher ab.

„Geht’s wieder?“ Erschreckt war Kelly um den Schreibtisch herumgelaufen und hatte Brandon kräftig auf den Rücken geklopft.

„Jaja …“, keuchte er. „Alles okay.“ Vor allem nachdem sie sich wieder aufgerichtet hatte und nicht mehr mit den Brüsten seinen Arm berührte. Er war schließlich auch nur ein Mann. Und sofort hart wie Stein geworden. Ihn hatte fast der Schlag getroffen, als sie so dicht neben ihm stand. Wollte sie ihn umbringen? Vielleicht hatte Roger sie so schlecht behandelt, dass sie sich jetzt an allen Männern rächen wollte.

Sie hatte nicht nur die Arbeitsbedingungen durch ihr vollkommen neues Aussehen verändert, jetzt hielt sie ihm auch noch diese äußerst sparsamen Slips vor die Nase. Wusste sie nicht, dass diese kleinen Seidendinger sich seiner schwachen männlichen Psyche für immer einprägen würden? Nun würde er sich die nächsten tausend Jahre vorstellen müssen, wie sie in diesen Slips aussah.

„Entschuldigung, ich wollte Sie nicht schockieren. Aber Sie wollten mir doch helfen …“

„Ich bin nicht schockiert“, brachte er krächzend heraus. „Ich habe mich nur verschluckt. Einen Moment …“

„Tut mir leid.“ Schnell ging sie zu ihrem Stuhl zurück und ließ die Dessous in der Tüte verschwinden.

Noch einmal räusperte er sich. „Sie haben beide gut ausgesucht.“

Hoffnungsvoll sah sie ihn an. „Wirklich?“

„Allerdings. Glauben Sie mir, jeder normale Mann würde Sie sehr gern darin sehen.“

„Das ist Ihr voller Ernst?“ Wieder setzte sie dieses Lächeln auf, das ihn fast um den Verstand brachte. „Danke, Brandon. Und entschuldigen Sie, dass ich Sie damit überfallen habe.“

„Keine Ursache.“

„Damit es mit Roger klappt, muss ich wissen, was Männer sexy finden.“

„Warum denn?“

„Roger fand mich nicht sexy.“ Sie wurde rot, hielt aber den Blick tapfer auf Brandon gerichtet.

„Wieso das denn nicht? Hat der Mann keine Augen im Kopf?“

Jetzt musste sie lachen. „Das tut gut.“ Sie stand auf. „Dann werde ich jetzt mal den Lunch bestellen.“

„Gute Idee. Und, Kelly …“

„Ja?“ Sie drehte sich an der Tür um.

„Nehmen Sie den schwarzen Tanga.“

Nach einer zweistündigen Telefonkonferenz mit seinen Brüdern und deren Anwalt legte Brandon erschöpft den Hörer auf. „Der Mann hört überhaupt nicht auf zu reden. Dieses Vokabular, einfach unglaublich.“

„Ich dachte schon, er wird pro Wort bezahlt.“ Lächelnd massierte Kelly sich die Finger, die vom Mitschreiben ganz steif geworden waren. Dann stand sie auf und streckte sich. Dabei spannte sich der Stoff über ihren Brüsten, und Brandon musste schnell zur Seite sehen, um seine Erregung zu unterdrücken.

„Ich mach noch mal Kaffee.“ Fragend blickte sie Brandon an. „Möchten Sie?“

„Nein, danke. Was meinen Sie, können Sie das Gesprächsprotokoll noch heute Nachmittag abtippen?“

„Ja, selbstverständlich. Ich fange gleich damit an.“

„Danke.“

Als sie die Tür hinter sich zuzog, knirschte Brandon mit den Zähnen. Wenn er diese Woche heil überstehen wollte, musste Kelly etwas an ihrer Aufmachung ändern. Selbst bei einem Blick auf ihre Fußgelenke schlug sein Herz schneller. Irgendetwas machten diese High Heels mit ihren Beinen, sodass er den Blick nur schwer davon abwenden konnte.

Eine Stunde später öffnete er die Tür zum Vorzimmer. Wie versprochen war das Protokoll fertig getippt. Kelly hielt sich einen kleinen Handspiegel vors Gesicht und schob die Lippen auf verschiedene Weise vor. Als sie Brandon bemerkte, zuckte sie zusammen und legte den Spiegel schnell in die Schublade.

„Was machen Sie denn da?“ Brandon blieb in der Tür stehen, die Hand noch auf dem Türgriff.

„Ich? Gar nichts. Was brauchen Sie? Eine Akte? Wollen Sie was diktieren?“ Schnell sprang sie auf und öffnete die oberste Schublade der Ablage.

Lächelnd schüttelte er den Kopf. „Nein. Ich will nur wissen, was diese Grimassen bedeutet haben.“

Langsam drehte sie sich zu ihm um. „Ist nicht wichtig. Roger hat sich nur immer beschwert, ich könnte nicht richtig küssen. Da habe ich ein bisschen geübt. Das ist alles. Zufrieden?“

„Nicht ganz. Roger ist ein Vollidiot. Warum ist Ihnen wichtig, was er denkt?“

„Das habe ich Ihnen doch schon gesagt. Ich will ihn zurückhaben.“

„Genau das begreife ich nicht.“ Frustriert stellte er sich neben Kelly und suchte selbst in der Ablage herum. „Ich brauche den Montclair-Pavilion-Ordner.“

„Hier.“ Kelly zog eine dünne Mappe heraus und reichte sie ihm. Sie sah so deprimiert aus, dass es Brandon schon wieder leidtat, überhaupt etwas gesagt zu haben.

„Ich meine doch nur, dass Sie sich wegen Roger keine Gedanken machen sollten“, versuchte er sie aufzumuntern. „Ganz bestimmt küssen Sie wie eine Göttin.“

„Vor dem Spiegel zu üben bringt gar nichts“, stieß sie düster hervor.

„Nein.“ Immer noch war er über die Ablage gebeugt. „Sie sollten es an einem lebenden Objekt ausprobieren, das den Kuss auch erwidern kann.“

Erwartungsvoll sah sie ihn an. „Würden Sie mir dabei helfen?“

„Das ist doch nicht Ihr Ernst, Kelly.“ Er warf ihr einen warnenden Blick zu.

„Wieso denn nicht?“ Allmählich dämmerte ihr, weshalb er so reagierte. „Um Himmels willen, nein! Ich meinte doch nicht, dass Sie mich … Das würde ich nie erwarten. Das heißt, ich will nicht …“

„Was wollen Sie nicht?“

„Ich habe nicht davon gesprochen, dass Sie mich küssen. Aber ich habe eine Liste von möglichen, sagen wir mal, Kandidaten. Und ich dachte, dass Sie sich die vielleicht mal durchsehen und Vorschläge machen könnten.“

„Sie haben eine Liste aufgestellt?“ Das hätte er sich gleich denken können. Kelly liebte es, für alles und jedes Listen zu machen. Deshalb war sie auch so gut organisiert.

„Natürlich.“ Aus der obersten Schublade nahm sie Block und Stift heraus.

„Habe ich Sie richtig verstanden? Sie haben die Namen der Männer aufgeschrieben, die Sie um Hilfe bitten wollen? Die Ihnen Kussunterricht geben sollen?“

Sie nickte fröhlich und schlug das Deckblatt des Blocks zurück. „Genau.“

„Und ich bin nicht auf der Liste?“

„Nein. Das geht doch nicht. Sie sind mein Chef.“

„Gut. Solange das klar ist …“ Aber er war alles andere als erleichtert. Eher enttäuscht und verärgert. Ihre Slips zu beurteilen, das traute sie ihm zu. Nicht aber, sie gekonnt zu küssen. Schnell verdrängte er diesen albernen Gedanken. Er hatte sich von ihr schon genug provozieren lassen. „Na los, wer steht denn nun auf Ihrer Liste?“

„Was halten Sie von Jean-Pierre?“

„Dem Chefkoch?“ Sie war wohl nicht ganz bei Trost.

„Ja. Er ist Franzose, und die sollen doch das Küssen erfunden haben.“

„Auf keinen Fall. Nicht Jean-Pierre. Das würde wahrscheinlich zu diplomatischen Verwicklungen führen.“

„Gut, dann nicht.“ Sie strich den Namen durch. „Wie ist es mit Jeremy?“

„Der Mann, der den Rasen mäht?“

„Er ist Landschaftsarchitekt“, erwiderte sie leicht pikiert. „So etwas wie ein Künstler. Vielleicht kennt er sich auch in der Kunst des Küssens aus.“

„Er ist schwul.“

„Tatsächlich? Dann nicht.“ Frustriert strich sie Jeremy von der Liste. „Und Nicholas, der Kellermeister. Er ist doch Deutscher und …“

„Geben Sie die Liste her.“ Mit einem Ruck riss er ihr den Block aus der Hand. „Paulo, der Liftboy?“

„Er ist süß.“

„Kommt nicht infrage. Wer ist Rocco?“

„Einer der Fahrer.“

„Welcher?“

„Der Große mit …“

„Egal. Der nicht.“

„Aber …“

„Nein.“ Er drückte ihr den Block wieder in die Hand. „So geht das nicht. Sie können auf keinen Fall hier herumspazieren und die Angestellten küssen.“

Zerknirscht sah Kelly Brandon an. Dann riss sie die Seite aus dem Block, knüllte sie zusammen und warf sie in den Papierkorb. „Wahrscheinlich haben Sie recht. Womöglich könnte es zu Missverständnissen führen.“

„Tatsächlich?“, bemerkte er betont harmlos.

Ohne auf die Ironie einzugehen, verschränkte sie die Arme vor dem Oberkörper und blickte nachdenklich vor sich hin. Nur mit Mühe konnte Brandon den Blick von ihren Brüsten lösen. War sie wirklich so naiv, dass sie nicht wusste, was sie tat?

„Aber wen kann ich denn dann fragen?“ Das klang verzweifelt. „In einer Woche ist Roger hier, und bis dahin muss ich besser küssen können. Haben Sie nicht irgendeinen Freund, den Sie mir empfehlen können?“

„Nein.“

„Schade.“ In Gedanken versunken, schob sie die Lippen vor.

Als er diese verführerischen Lippen betrachtete, wurde ihm klar, dass er der Einzige war, der ihre Kusstechnik verbessern sollte. Nicht weil er besser küsste als jeder andere. Sondern weil er den Gedanken nicht ertragen konnte, dass ein anderer Mann … „Okay“, sagte er knapp. „Ich helfe Ihnen.“

„Aber Sie stehen doch nicht auf der Liste.“

„Das spielt keine Rolle. Ich kann nicht zulassen, dass Sie die Angestellten verschrecken.“

„Verschrecken?“ Sie sah ihn abwartend an. „Das haben Sie doch sicher nur nett gemeint.“

„Tut mir leid. Ja, natürlich. Nur nett.“

„Trotzdem keine gute Idee.“

Mein Gott, war sie hartnäckig … „Es ist die einzige Möglichkeit, wenn Sie nicht in Schwierigkeiten kommen wollen.“

„Ich komme in keine Schwierigkeiten.“

„Nein. Weil ich Ihnen helfe.“

„Danke. Das ist sehr freundlich.“ Während sie tief durchatmete, richtete sie sich gerade auf und machte einen Schritt auf Brandon zu. Doch er hob abwehrend die Hand.

„Moment noch. Wir müssen erst ein paar grundsätzliche Regeln aufstellen.“

„Regeln? Warum denn das?“

„Weil Sie sich auf keinen Fall in mich verlieben dürfen.“

„Ich mich in Sie verlieben?“ Sie starrte ihn an wie ein Gespenst, dann lachte sie laut los. „Sind Sie verrückt geworden?“

„Nein. Und ich finde es auch gar nicht komisch“, sagte er beleidigt.

„Aber es ist komisch!“ Immer noch kicherte sie wie ein Schulmädchen. „Die Vorstellung, dass ich dumm genug bin, mich in Sie zu verlieben, ist wirklich zum Lachen.“

„Dumm genug?“

„Ja, dumm genug. Und ich kann Ihnen auch sagen, warum. Erstens“, sie hob die linke Hand und fing an, an den Fingern abzuzählen, „haben Sie morgens immer schlechte Laune. Zweitens verteilen Sie die Zeitungen überall im Raum. Drittens lassen Sie die Frauen sofort wieder fallen, wenn Sie sie einmal gehabt haben. Und viertens stellen Sie sich an wie ein Baby, wenn es Ihnen mal nicht gut geht.“

„Also, das ist doch wirklich …“

„Lassen Sie mich ausreden.“ Diesmal war Kelly nicht bereit, sich unterbrechen zu lassen. Dazu machte ihr das Ganze viel zu viel Spaß. „Und dann sind Sie auch noch fürchterlich abergläubisch. Das kommt wohl noch aus Ihrer Zeit als Profi-Footballspieler. Bei jedem Spiel dieselben Socken zu tragen, verrückt! Und am Abend vor einem Spiel sollen Sie nur Blaubeeren und Sardinen gegessen haben. Machen Sie das immer noch, wenn Sie am nächsten Tag etwas Wichtiges vorhaben?“ Wieder prustete sie vor Lachen los.

„Das reicht!“ Brandon knallte die Akte auf den Schreibtisch und trat dicht vor Kelly hin. „Wenn es Sie interessiert: Die Socken wurden nach jedem Spiel gewaschen.“

„Tatsächlich?“

„Ja, tatsächlich.“ Er legte den Arm um sie und zog sie näher an sich heran. „Und Sardinen und Blaubeeren haben viel Omega-3-Fettsäuren.“

„Oh …“, flüsterte sie und starrte ihn mit ihren großen blauen Augen an. „Interessant …“

„Und die sind gut fürs Gehirn“, fuhr er fort und strich ihr mit den Lippen über die Wange.

„Das … das ist … gut zu wissen.“

Das klang misstrauisch, mit Recht, wie er zugeben musste. Denn jetzt beugte er sich vor, küsste sie auf den Nacken und murmelte dabei: „Der Quarterback ist nämlich der wichtigste Spieler, sozusagen das Gehirn des Teams. Wussten Sie das?“

Doch sie antwortete nicht, sondern flüsterte nur: „Was machen Sie …?“

„Was glauben Sie denn?“

„Ich bin mir nicht sicher.“

„Aber ich.“ Und dann küsste er sie. Direkt auf den Mund. Irgendwie fühlte sie sich so an, wie er vermutet hatte. Süß und sanft und sinnlich. Nicht einfach, den Kuss nicht zu vertiefen, ging ihm durch den Kopf. Aber es durfte nicht sein, auch wenn er sich danach sehnte, sie auf den Schreibtisch zu drücken, ihr die Beine zu spreizen und sie gleich hier zu nehmen.

Aufhören . Aus zu vielen Gründen war es falsch weiterzumachen. Wenn er sich jetzt sofort von ihr löste, konnten sie beide so tun, als hätte dieser Kuss nie stattgefunden. Aber mit einem Mal stöhnte Kelly leise auf und schmiegte sich an ihn. Da wusste er, dass auch sie sich nach all dem sehnte, was seine Fantasie ihm vorspiegelte. Sofort drängte er sie, den Mund zu öffnen, was sie auch nur zu bereitwillig tat.

Was für ein Kuss … heiß und leidenschaftlich und so erregend … Jetzt ihre Brüste umfassen, die harten Spitzen fühlen, reizen, lecken, liebkosen … Aber es durfte nicht sein. Schweren Herzens riss Brandon sich zusammen und zog sich aus ihrer verführerischen Wärme zurück.

Zögernd öffnete sie die Augen und sah ihn fragend an. Doch dann begriff sie und schob ihn leicht von sich. „Das war … gut.“

Hatte das sie etwa überrascht? „Ja.“ Immer noch hatte er Schwierigkeiten, Abstand zu halten.

„Hat mir sehr gefallen …“

Ihm auch, aber diesmal schwieg er. Sonst wäre er nur wieder in Versuchung geraten, seinem Verlangen nachzugeben. Sie nackt … unter ihm … Nein, das würde nie geschehen.

„Roger hat nie so geküsst“, sagte sie langsam, ohne Brandon dabei aus den Augen zu lassen.

„Habe ich nicht gleich gesagt, dass der Mann ein Idiot ist?“

„Kein Wunder, dass er meinte, ich sei nicht sexy. Er hat nichts dazu getan, dass ich mich sexy fühle.“

„Genau.“

„Aber Sie.“ Sie sah zu ihm hoch und strahlte ihn an. „Wissen Sie, jetzt bin ich eigentlich ziemlich überzeugt davon, dass Roger in unserer Beziehung das Problem war, nicht ich.“

„Das stimmt auch“, brummte er.

Lächelnd legte sie ihm die Hand auf den Arm. „Danke, Brandon.“

„Keine Ursache.“ Schnell wandte er sich ab, um sich wieder zu fangen.

„Warten Sie.“

Als er sich nach ihr umdrehte, sah er, dass sie die Stirn leicht gerunzelt hatte und ihn nachdenklich ansah. Ihre Lippen waren rosig und schimmerten so verführerisch, dass er Kelly am liebsten wieder in die Arme genommen und geküsst hätte. „Was ist?“

„Ich glaube, ich muss noch ein bisschen üben, um wirklich gut küssen zu können“, meinte sie lächelnd, nahm Block und Stift in die Hand und kam auf Brandon zu.

Was sollte das? Wollte sie jetzt etwa eine Liste der verschiedenen Kussarten aufstellen? Auf keinen Fall! Sie hatte ja keine Ahnung, was sie mit dem Kuss in ihm ausgelöst hatte. „Davon halte ich gar nichts“, fuhr er sie an und stopfte die Montclair-Akte in seine Tasche.

„Das haben Sie vor dem Kuss auch gesagt, und dann hat sich herausgestellt, dass es richtig war.“

Das musste ein Ende haben! Eindringlich sah er sie an. „Es wird nicht mehr geübt. Denken Sie an die Regeln.“

„Ach so! Die Regeln …“ Nachdenklich musterte sie ihn ein paar Sekunden lang, dann nickte sie. „Okay. Wahrscheinlich haben Sie recht.“

„Natürlich habe ich recht!“ Wütend ließ er das Schloss zuschnappen.

„Danke noch einmal für Ihre Hilfe. Es war wunderbar. Als Lehrstück, meine ich.“

„Bitte. Aber nun wollen wir hier Schluss machen.“ Er wandte sich zum Gehen.

„Ich bleibe noch ein bisschen.“ Sie griff nach dem Block und setzte sich. „Solange ich mich an alles noch gut erinnern kann, will ich mir ein paar Notizen machen. So kann ich mir das später besser ins Gedächtnis zurückrufen.“

„Was? Den Kuss?“

„Ja.“ Den Blick auf den Block geheftet, fing sie an zu schreiben. „Wenn ich später nachlesen kann, was Sie gemacht haben und was ich dabei empfunden habe, kann ich mir beim nächsten Mal die Gefühle wieder vorstellen und vergleichen.“

„Beim nächsten Mal …“, stieß er fassungslos hervor.

„Ja. Gefühle bei Berührungen kann ich besser erinnern, wenn ich sie gleich mit Worten festhalte. Vor dem nächsten Mal lese ich mir die Notizen durch.“ Sie hob den Kopf und warf Brandon ein strahlendes Lächeln zu. „Und ich bin ziemlich sicher, dass ich so immer besser werde. Denn was man einmal aufgeschrieben hat …“

„Auf Papier. Gut, dabei soll es auch bleiben.“

Doch als habe sie ihn nicht gehört, fuhr sie fort: „Allerdings kann man beim praktischen Üben sehr viel mehr lernen …“

Schnell wandte er den Blick ab. „Schlagen Sie sich das aus dem Kopf.“

„Was?“ Dabei sah sie ihn mit großen Augen an.

Bei jeder anderen Frau hätte er sofort gewusst, dass sie ihn verführen wollte und das gefährliche Spiel mit dem Feuer genoss. Aber dies war Kelly, verdammt noch mal, die keine Ahnung von diesen Spielchen hatte und in deren Miene er lesen konnte wie in einem offenen Buch. Deshalb war ihm klar: Er musste auch für sie die Verantwortung übernehmen. „Sie wissen genau, was ich sagen will. Ich werde Sie nicht noch einmal küssen.“

„Ach so“, flüsterte sie und senkte enttäuscht den Kopf. Dabei schob sie schmollend die Lippen vor, und beim Anblick dieses rosig schimmernden Mundes vergaß Brandon alle guten Vorsätze. Ihn beherrschte nur ein Gedanke: Er musste und er würde sie wieder küssen, nicht nur auf den Mund, sondern überallhin. Er würde sie an sich drücken, ihren Körper fühlen und sein Verlangen befriedigen. Vielleicht konnte er danach wieder vernünftig mit ihr sprechen.

3. KAPITEL

„Ich werde Sie nicht noch einmal küssen.“

Immer wenn Kelly dieser Satz durch den Kopf ging, wurde sie rot vor Verlegenheit. Warum musste sie nur die ganze Zeit daran denken? Schlimmer noch, sie sah Brandon deutlich vor sich, wie er sie in die Arme nahm, sich vorbeugte, sie küsste … Es war zum Verrücktwerden!

„Hör auf damit!“, sagte sie sich zum hundertsten Mal, während sie ein Tiefkühlgericht in die Mikrowelle schob, und knallte wütend die Tür zu. Wenn es nur so einfach wäre. Frustriert sah sie sich in der kleinen Küche um. Aber es gab nichts zu tun, was sie von den Gedanken an Brandon hätte ablenken können. Der Raum war sauber, alles war an seinem Platz. Das Personal des Grandhotels, das sich auch um ihre Suite kümmerte, war einfach zu gut.

„Dass ich meinen Chef quasi angefleht habe, mich zu küssen, mitten am Tag und im Büro, war schlimm genug“, sagte sie halblaut vor sich hin. „Aber dass ich ihm dann auch noch die Slips vor die Nase halten musste! Und ihm die alberne Liste mit den Namen gezeigt habe.“ Tief aufseufzend schob sie sich auf den hohen Barhocker, der am Küchentresen stand, und öffnete eine Flasche Wasser. Während sie sich eingoss und dann einen großen Schluck trank, dachte sie darüber nach, wie sie die Situation entschärfen könnte.

Vielleicht sollte sie sich morgen früh einfach bei Brandon entschuldigen. Irgendeine Erklärung dafür, dass sie unfähig gewesen war, klar zu denken, würde ihr schon einfallen. Aber würde er ihr glauben? Jeder wusste, dass sie einen glasklaren Verstand hatte, der nicht leicht zu verwirren war. Schließlich war sie dafür bekannt, dass sie Einzelheiten einer Besprechung von vor drei Jahren erinnerte. Nie würde er ihr glauben, dass sie plötzlich nicht mehr klar hatte denken können. Also blieb ihr gar nichts anderes übrig, als wegzuziehen, irgendwohin weit weg, und keine Adresse zu hinterlassen. Wahrscheinlich würde Brandon dann ziemlich bald diese merkwürdige Frau vergessen, die ihn mit ihren Slips belästigt und ihn gezwungen hatte, sie zu küssen. Dass er ihr tatsächlich dieses schwarze Seidending empfohlen hatte, machte alles irgendwie noch schlimmer.

Die Mikrowelle klingelte, und Kelly holte ihr Essen heraus.

Normalerweise verbot sie sich, an die Szene im Büro zu denken, was ihr meist auch einigermaßen gelang. Doch jetzt ließ sie sich ein paar Sekunden lang gehen und schwelgte in Erinnerungen. So etwas hatte sie noch nicht erlebt. Dieser eine Kuss von wenigen Sekunden hatte sie mehr erregt, als es Roger in den zweieinhalb Jahren ihrer Beziehung gelungen war. Unwillkürlich schloss sie die Augen, als sie sich an Brandons Hände und seinen Mund erinnerte, diese festen Lippen, zärtlich und fordernd zugleich.

Genug jetzt . Gewaltsam zwang sie sich, die Augen wieder zu öffnen, und starrte angewidert auf den Teller. Der Appetit war ihr vergangen, zumindest der auf Essen … „Ich muss endlich einen Schlussstrich unter das alles ziehen!“, versuchte sie sich wieder zu überreden. Brandon Duke war ihr Chef. Sie liebte ihre Arbeit. Auf keinen Fall durfte sie sich weiter nach dem Mann sehnen, der ihr das Gehalt zahlte.

Früher einmal hatte sie sich ein Leben und immerwährendes Glück mit Roger erträumt. Es war wie im Märchen gewesen. Er war ihr Prinz, und sie hatte geglaubt, das glücklichste Mädchen auf der ganzen weiten Welt zu sein. Aber dann hatte sich herausgestellt, dass er kein Prinz war, sondern ein Frosch und alles andere als charmant und liebenswert. Er hatte seine Versprechen nie halten wollen, und ihr Traum von Liebe und Glück war wie eine Seifenblase zerplatzt. Die Trennung war hart gewesen, und Kelly hatte sich nur mühsam davon erholt.

Bevor sie ...

Autor

Kate Carlisle
<p>New York Times Bestseller-Autorin Kate Carlisle konnte sich nie so richtig entscheiden: Sollte sie die Haare lang oder kurz, glatt oder gelockt tragen? Sollte sie beim Fernsehen arbeiten oder Brathähnchen verkaufen? Jura studieren oder doch lieber Schauspielunterricht nehmen? Nachdem sie alles einmal ausprobiert hatte, besann sie sich schließlich auf das...
Mehr erfahren
Dani Wade
<p>Als Jugendliche erstaunte Dani Wade die Mitarbeiter der örtlichen Bibliothek regelmäßig. Sie lieh sich wöchentlich bis zu zehn Bücher aus – und las diese dann tatsächlich bis zu ihrem nächsten Besuch. Sie stellte sich gerne vor, selbst in der Rolle der weiblichen Heldin zu stecken. Vielleicht gelingt es ihr auch...
Mehr erfahren
Cat Schield
<p>Cat Schield lebt gemeinsam mit ihrer Tochter, zwei Birma-Katzen und einem Dobermann in Minnesota, USA und ist die Gewinnerin des Romance Writers of America 2010 Golden Heart® für romantische Serienromane. Wenn sie nicht gerade neue romantisch-heiße Geschichten schreibt, trifft sie sie sich mit ihren Freunden um auf dem St. Croix...
Mehr erfahren
Jennifer Lewis
<p>Jennifer Lewis gehört zu den Menschen, die schon in frühester Kindheit Geschichten erfunden haben. Sie ist eine Tagträumerin und musste als Kind einigen Spott über sich ergehen lassen. Doch sie ist immer noch überzeugt davon, dass es eine konstruktive Tätigkeit ist, in die Luft zu starren und sich Wolkenschlösser auszumalen....
Mehr erfahren