1. KAPITEL
„Das sieht einfach fantastisch aus!“, rief Breanna Galanis und klatschte begeistert in die Hände.
Einmal mehr hatte sich ihre Zwillingsschwester Anastasia bei ihrem neuesten Inneneinrichtungsprojekt selbst übertroffen. Die gewagte Mischung aus bunten Farben und grafischen Elementen war ein echter Hingucker.
„Ich sagte doch, das wird gut“, meinte Annie zufrieden und schoss noch ein paar Fotos von dem neu gestalteten Raum.
Es gab da nur einen kleinen Haken. Die Eltern der Zwillinge würden gewiss wieder etwas daran auszusetzen haben. Egal, was die beiden Töchter auch taten: Es war nie gut genug.
Selbst wenn Freunde und Bekannte das außergewöhnliche Innendekor lobten und sich nach dem begnadeten Designer erkundigten, verschwiegen sie, dass es sich dabei um ihre Tochter Anastasia handelte.
Sie gönnen ihr den Erfolg nicht, dachte Breanna frustriert. Weil sie sich so ihrer Kontrolle entziehen könnte.
Im Galanis-Clan gab es ein ungeschriebenes Gesetz.
Galanis-Frauen hatten keine Jobs. Statt Karriere zu machen, bestand ihre einzige Lebensaufgabe darin, möglichst standesgemäß zu heiraten. Um dann ihr Dasein für den Rest ihrer Tage als dekoratives Beiwerk an der Seite ihres Ehemannes zu fristen. Hübsch eingepackt in Haute Couture und behangen mit den edelsten Juwelen.
Breanna empfand diese Vorstellung als mittelalterlich. Um sich selbst zu verwirklichen, hatte sie ein Studium der Grundschulpädagogik absolviert. Nur hatten ihre Eltern jeden Versuch, als Lehrerin tätig zu werden, sabotiert. Es waren große Geldsummen geflossen, damit sichergestellt war, dass niemand sie einstellte. Also widmete sich Breanna heimlich ihrer zweiten Leidenschaft: dem Nähen. Dabei lag ihr besonders die nachhaltige Produktion von Kleidungsstücken am Herzen. Oft durchstöberte sie Secondhandläden auf der Suche nach Vintage-Schätzen, denen sie dann durch Upcycling neues Leben einhauchte. So entstanden Unikate mit ganz besonderem Charme.
Ach, es könnte alles so schön sein, dachte Breanna wehmütig. Ich würde unterrichten und nebenher als Modedesignerin arbeiten. Und Annie könnte als Raumausstatterin Furore machen. Wir müssen nur hier weg …
Doch Anastasia scheute den Sprung ins kalte Wasser. Sie beharrte darauf, erst ein Portfolio mit den verschiedensten Raumdekors zusammenzustellen. „Sonst habe ich nichts vorzuweisen“, argumentierte sie stets. Inzwischen hatte sie bereits zwölf Räume im Galanis-Anwesen umgestaltet und bei den letzten vier Projekten jedes Mal behauptet, dass es sich dabei garantiert um das krönende Finale handelte.
Langsam verlor Breanna die Geduld.
„Dieser Raum ist wirklich perfekt, Annie“, befand sie. Und schob noch nach: „Das war jetzt aber wirklich der letzte, versprochen?“
Anastasia ließ die Kamera sinken.
Plötzlich war sämtliche Farbe aus ihrem Gesicht gewichen. Ihre Hände zitterten.
„Weißt du, ich habe mir mein Portfolio heute Morgen noch mal angesehen“, sagte sie zögernd. „Und es fehlt noch eine Küche.“
Breanna seufzte. „Annie …“
„Ich weiß, ich habe versprochen, dass jetzt Schluss ist“, gab Anastasia zu. „Aber denk doch mal nach: Mom und Dad werden uns kein Geld mehr geben. Und sie werden verhindern, dass man dich als Lehrerin einstellt. Also muss ich für unser Einkommen sorgen. Und ohne Berufserfahrung wird das nicht leicht. Da brauche ich unbedingt eine perfekte Designmappe als Referenz für die Kundenakquise. Inklusive Küche.“
„Ich kann immer noch mit Nähen Geld verdienen“, wandte Breanna ein. „Da können sie mir nicht reinpfuschen.“ Doch sie war selbst nicht ganz davon überzeugt. „Eine Küche also“, wiederholte sie nachdenklich. „Muss das wirklich sein, Annie?“
Die Umbauarbeiten würden bestimmt Monate dauern. Vielleicht sogar ein ganzes Jahr.
Dabei lief ihnen die Zeit ohnehin schon davon!
Es war pures Glück gewesen, dass sie bei Prinz Alessios Brautlotterie im vergangenen Jahr noch einmal davongekommen waren.
Der Kronprinz des Inselkönigreichs Celiana hatte die Suche nach einer zukünftigen Gemahlin dazu genutzt, Spendengelder für seine Kunststiftung zu sammeln, indem er eine Lotterie ins Leben gerufen hatte. Nahezu jede Frau im heiratsfähigen Alter hatte sich durch den Kauf zahlreicher, sündhaft teurer Lose daran beteiligt, in der Hoffnung, die nächste Prinzessin von Celiana zu werden. Und die Eltern der Galanis-Zwillinge hatten Unsummen investiert, um sicherzustellen, dass entweder Anastasias oder Breannas Name aus der Glaskugel gezogen würde.
Aber das Zufallsprinzip hatte sämtliche Statistiken außer Kraft gesetzt. Und so war schließlich eine wunderschöne Frau namens Briella mit nur einem einzigen Los zu Alessios Braut geworden. Und erstaunlicherweise hatten sich die beiden dann sogar Hals über Kopf ineinander verliebt.
Allerdings hatte das den Zwillingen nur eine kurze Verschnaufpause verschafft.
Denn eins war sicher: Lucas Galanis würde nicht eher ruhen, bis seine Töchter möglichst prestigeträchtige Verbindungen eingegangen wären.
Und das so schnell wie möglich.
Wir müssen dringend hier weg, schoss es Breanna erneut durch den Kopf.
In diesem Moment schwang die Zimmertür auf und der Vater der Zwillinge trat ein.
Sein überhebliches Lächeln verhieß nichts Gutes.
„Anastasia!“, rief er überschwänglich und trat auf seine erstgeborene Tochter zu. „Es gibt wunderbare Neuigkeiten! Bald wirst du Königin sein!“
Was redet er da für einen Unsinn? dachte Breanna gereizt. König Sebastian ist doch gar nicht auf der Suche nach einer Braut!
Zwar sah die Presse jede Frau, die sich auch nur annähernd in seinem Dunstkreis bewegte, schon als zukünftige Königin. Und Kandidatinnen gab es gewiss genug. Aber in Wirklichkeit machte der Mann keinerlei Anstalten, sich zu vermählen. Da war sich Breanna sicher.
Außerdem würde er überhaupt nicht zu Annie passen. Er ist viel zu ernst. Eine richtige Spaßbremse!
„Das möchte ich aber gar nicht“, protestierte Annie schwach.
Doch Lucas Galanis duldete keinen Widerspruch. „Tja, Pech gehabt. Der König hat dich auserwählt. Und damit basta.“
„Sie kennt ihn doch nicht mal!“, empörte sich Breanna.
Lucas Galanis winkte ab. „Vollkommen irrelevant. Eine bessere Partie wird sich nicht finden. Nur das zählt.“
Breanna blickte sorgenvoll zu Anastasia, die jetzt völlig erstarrt schien. Dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihren Vater. „Aber ein Titel ist doch nicht alles“, argumentierte sie weiter. „Für eine erfolgreiche Beziehung braucht es viel mehr. Vor allem Zuneigung. Liebe.“
Lucas Galanis lachte verächtlich. „Diese Art von Sperenzchen könnt ihr euch beide aus dem Kopf schlagen. Deine Schwester sollte dem Schicksal auf Knien danken, dass sich so ein Prachtexemplar von einem Mann für sie interessiert. Dann auch noch zu verlangen, dass er ihr sympathisch ist, wäre geradezu vermessen.“
Breanna hoffte darauf, dass Annie sich nun endlich zur Wehr setzen würde. Aber sie stand einfach nur da und ließ den Kopf hängen. Ihre ganze Körperhaltung verriet Resignation. Offenbar hatte sie sich bereits mit ihrem Schicksal abgefunden.
Wenn ich jetzt nicht einschreite, wird Annie mir das nie verzeihen, dachte Breanna. Ich muss sie beschützen!
Und dann entschloss sie sich dazu, ein gewaltiges Opfer zu bringen.
„Lass Annie in Ruhe“, sagte sie mit fester Stimme. „Ich werde an ihre Stelle treten und den König heiraten.“
Mit einer Mischung aus Verwunderung und Entsetzen sah Anastasia sie an. „Breanna, was tust du denn da?“
Doch Breanna ließ sich nicht beirren. „Wenn der König keinen Wert darauf legt, seine Zukünftige besser kennenzulernen, wird es ihm wohl relativ egal sein, welchen Zwilling er bekommt. Denn rein optisch sind wir ja quasi identisch.“
Normalerweise hasste sie es, wenn man Zwillingen den Status als Individuen absprach. Aber nun nutzte sie diese rückständige Einstellung, um ihr Vorhaben bei ihrem Vater durchzusetzen.
Lucas Galanis sagte zuerst nichts. Dann neigte er den Kopf zur Seite und ließ den Blick für einen Moment von einer Tochter zur anderen schweifen. „Stimmt“, befand er dann. „Ihr gleicht euch wie ein Ei dem anderen. Im Grunde ist es völlig egal, wer nachher neben dem König am Altar steht. Hauptsache, eine von euch beiden taucht auf.“ Die Lösung schien ihn zufriedenzustellen. „Eigentlich hatte ich schon einen anderen Heiratskandidaten für dich im Visier, Breanna“, sinnierte er dann. „Aber bis seine Scheidung durch ist, dauert es noch ein ganzes Jahr …“ Und mit einem Blick auf Anastasia meinte er: „Ach, dann bekommt er eben deine Schwester. Auch wenn sie es vermutlich bereuen wird, dass sie ihre ehelichen Pflichten dann bei jemandem verrichten muss, der ihr nicht so viel bieten kann wie der König …“
Breanna überlegte fieberhaft. Es blieb also noch ein Jahr, Annie zur Flucht zu verhelfen. Das musste einfach reichen!
„So“, meinte Lucas Galanis und klatschte in die Hände. „Jetzt wird es aber Zeit, dass der König endlich seine Braut kennenlernt. Komm mit, Breanna. Er wartet im Salon.“
Beim Hinausgehen trat Breanna kurz zu Annie und flüsterte ihr eindringlich ins Ohr: „Die Küche muss dein letztes Projekt sein. Versprich es mir!“
Annie hob zwei Finger zum Schwur. „Ehrenwort.“ Dann lächelte sie traurig, während ihr dicke Tränen über die Wangen kullerten. „Ich danke dir von Herzen, Breanna.“
Da ertönte wieder die Stimme ihres Vaters auf dem Flur. „Auf, auf! Man lässt einen König nicht warten!“
König Sebastian blickte nachdenklich auf das Security-Personal, das die Tür des Salons bewachte. Normalerweise sollten solche Personenschützer sicherstellen, dass niemand von außen eindrang. Aber jetzt beschlich ihn der Verdacht, dass Lucas Galanis die Männer dort postiert hatte, um zu verhindern, dass sein potenzieller Schwiegersohn doch noch im letzten Moment die Flucht ergriff.
Dabei war diese Sorge vollkommen unbegründet.
Schließlich bin ich freiwillig hier.
Es wurde von ihm erwartet, dass er sich eine Frau nahm, um den Fortbestand der Dynastie Celianas zu sichern.
Und darum saß er jetzt hier und wartete auf Anastasia.
Sicher, bisher kannten sie sich nicht. Und vermutlich würde ihre Verbindung nicht als große Jahrhundertliebe in die Annalen der Geschichte eingehen. Aber war ein freundschaftlich-distanziertes Miteinander nicht ohnehin viel besser für die Stabilität des Königreichs?
In diesem Moment öffnete sich die Tür und eine hinreißende junge Frau betrat den Salon. Der raffinierte Schnitt ihres Kleides betonte ihre makellose Figur. Und der changierende Blauton bildete den perfekten Kontrast zu ihrer dunklen Lockenmähne und den samtbraunen Augen, mit denen sie ihn nun mit einem deutlichen Anflug von Skepsis musterte.
Der König erhob sich und nickte ihr anerkennend zu. „Anastasia. Es ist mir eine Freude.“
Sie seufzte ergeben, senkte den Blick und machte einen Knicks. „Hoheit, ich weiß, dass Sie mit meiner Schwester gerechnet haben. Aber ich bin nicht Annie, sondern Breanna.“ Sie sah wieder hoch. „Und ich werde Ihre Braut sein.“
Der König war so überrascht, dass er jegliche Etikette vergaß. „Aber ich habe doch ausdrücklich nach Anastasia verlangt“, betonte er.
„Ja, das haben Sie“, gab ihm Breanna recht. „Und das bringt mich gleich zu meiner ersten Frage. Mich würde interessieren, warum Ihre Wahl ausgerechnet auf sie gefallen ist.“ Ihr Blick hatte nun etwas Herausforderndes.
Und das gefiel Sebastian außerordentlich gut.
Sie hat Feuer!
Er zuckte mit den Schultern. „Na ja, Ihre beiden Namen sind mir im Zusammenhang mit der Brautlotterie meines Bruders in Erinnerung geblieben.“
„Schon klar“, meinte Breanna ungeduldig. „Aber warum musste es dann ausgerechnet Anastasia sein? Und nicht ich?“
Es dauerte einen Moment, bis König Sebastian endlich mit der Wahrheit herausrückte. „Ich konnte mich nicht entscheiden“, meinte er kleinlaut. „Also hat mein Bruder beide Namen auf Zettel geschrieben und in einen Hut gesteckt. Und auf dem ersten, den ich zog, stand ‚Anastasia‘.“
Erst herrschte betretenes Schweigen. Dann brach Breanna in schallendes Gelächter aus. „Sie haben es also dem Zufall und einem Hut überlassen, zu entscheiden, wen Sie heiraten sollen? Wie gut, dass da kein Kaninchen im Zylinder war. Sonst hätten Sie jetzt eine Braut mit schrecklich langen Ohren.“ Sie wischte sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel.
Und dann konnte sich auch Sebastian nicht länger zurückhalten. Er grinste breit, als er auf Breannas Kommentar einging. „Könnte durchaus sein. Ein König steht zu seinem Wort. Notfalls wäre ich halt zum Altar gehoppelt.“ Nun wurde sein Lächeln wieder sanft. „Auf jeden Fall hat Anastasia Glück gehabt.“ Dann korrigierte er sich. „Nein, Sie haben Glück gehabt.“
Breannas Lachen verstummte sofort. „Ja. Ich bin ein echter Glückspilz“, murmelte sie verdrossen, setzte dann aber schnell ein gezwungenes Lächeln auf.
König Sebastian bemerkte das und war verwirrt.
Warum ist sie auf einmal so zögerlich? Sie will doch unbedingt Königin werden!
„Oder soll ich doch lieber Anastasia fragen?“, schlug er vor. „Noch können Sie sich umentscheiden.“
„Aber nein!“, rief Breanna schnell. „Die Krone gehört mir.“
Dieser Satz sorgte bei Sebastian für Ernüchterung. Er hatte gehofft, dass Breanna vielleicht mit ihrer Schwester tauschen wollte, weil sie ihn sympathisch fand.
Aber es war wie immer: Es ging nicht um ihn.
Sondern nur um den Titel.
Ach, was soll’s, dachte er resigniert. War doch klar, dass ich auf diesem Weg niemals die große Liebe finden werde. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Sondern darum, meine Pflicht für das Königreich zu erfüllen!
„Gut. Ihr Vater hat mir erlaubt, sein Büro für die Pressekonferenz zu nutzen. Ein paar Medienvertreter berichten hier vor Ort. Und die Nachricht über unsere Verlobung wird gleich live auf alle Kanäle übertragen. Die ganze Welt soll wissen, dass der König von Celiana endlich eine Braut gefunden hat.“
„Ich soll auf eine Pressekonferenz?“, fragte Breanna. „Jetzt sofort?“
Ihr ging das alles viel zu schnell. Ließ man sich in royalen Kreisen normalerweise nicht deutlich mehr Zeit mit diesen Dingen?
„Natürlich sofort. Die gute Neuigkeit soll so bald wie möglich verkündet werden“, befand Sebastian. „Ist doch wunderbar: Das Volk bekommt die lang ersehnte Königin. Und Sie, liebe Breanna, eine hübsche Krone. Und alle sind glücklich.“
Na ja, alle außer mir, fügte er in Gedanken hinzu.
Breanna musterte ihn skeptisch. „Und was springt für Sie dabei heraus?“
„Na, eine Partnerin, die mir hilft, Celiana zu regieren.“
Außerdem würde die Vermählung endlich alle Gerüchte um seine angeblichen Liebschaften verstummen lassen und ihm die Presse vom Hals schaffen. Aber das behielt er lieber für sich.
„Das klingt sehr nach einer Geschäftsbeziehung“, urteilte Breanna. „Was ist mit Liebe?“
„Die ist in meiner Position nicht vorgesehen“, sagte er schnell.
„Aber Prinz Alessio und Prinzessin Brie lieben sich“, gab sie zu bedenken. „Finden Sie eine solche Ehe nicht auch erstrebenswert?“
In diesem Moment trat Lucas Galanis in den Salon, das Gesicht zu einer triumphierenden Fratze verzogen. Bei seinem Anblick trat Sebastian instinktiv näher an Breanna heran. Er verspürte plötzlich das Bedürfnis, sie vor diesem Mann zu beschützen.
Aber ich darf mich ihr nicht aufzwingen, dachte er. Sie ist bestimmt schon oft genug in ihrem Leben bedrängt und bevormundet worden.
„Werte Breanna“, setzte er an. „Falls Sie Ihre Meinung geändert haben, dann …“
„… ist Anastasia halt wieder im Rennen“, unterbrach ihn Lucas Galanis, der Breanna einen warnenden Blick zuwarf.
Diese Drohung vertrieb auch den letzten ihrer Zweifel.
Sie lehnte sich an den König, der sie schützend in die Arme nahm. Dann sagte sie entschlossen: „Kommt überhaupt nicht infrage. Der König ist einverstanden. Ich werde seine Braut.“
„Na fabelhaft“, meinte Lucas selbstzufrieden und wies auf die offene Tür des Salons. „Dann darf ich das royale Paar nun zur Pressekonferenz bitten? Die Journalisten überschlagen sich bereits vor Begeisterung.“ Er verbeugte sich übertrieben.
Bei ihrer Ankunft in Lucas’ Büro wurden sie von der Reportermeute mit einem wahren Blitzlichtgewitter und einer Kakofonie aus wild durcheinander gerufenen Fragen empfangen.
Erst als König Sebastian sich gemeinsam mit Breanna an das eigens herbeigerollte Rednerpult stellte, kehrte langsam Ruhe ein.
„Vielen Dank, dass Sie so geduldig auf uns gewartet haben. Bitte erlauben Sie mir nun, Ihnen meine Braut vorzustellen.“
Schon war es wieder vorbei mit der Stille.
Der Raum schien förmlich vor Begeisterung zu explodieren.
Und weitere tausend Fragen schwirrten durch die Luft.
König Sebastian hob beschwichtigend die Hand und fuhr erst fort, als auch der letzte Reporter endlich verstummt war.
„Am Samstag werde ich die bezaubernde Miss Breanna Galanis zur Frau nehmen. Die standesamtliche Trauung findet um zehn Uhr im Thronsaal des Palastes statt. Danach wird es eine bescheidene Feier im engsten Familienkreis geben. In Zeiten von wirtschaftlicher Krise und Inflation möchten wir damit ein Zeichen setzen. Das Geld, das ursprünglich für die Feierlichkeiten vorgesehen war, wird zu einhundert Prozent an wohltätige Zwecke gespendet werden.“
Er atmete tief durch. „Breanna und ich freuen uns schon darauf, unser gemeinsames Leben ganz in den Dienst des Königreichs zu stellen. Die Pressekonferenz ist hiermit beendet. Haben Sie vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.“
Dann ergriff er Breannas Hand, und sie verließen schnell den Raum, in dem sofort wieder das Chaos um sich griff.
Zurück im Salon, konnte sich Breanna nicht länger zurückhalten. „Die Hochzeit findet schon am Samstag statt? Wie soll das gehen? Es gibt so vieles, was vorher geklärt werden muss.“
Sebastian sah darin kein Problem. „Sie nehmen einfach das Kleid, das Sie bei der Brautlotterie getragen haben. Darin sahen Sie wirklich hinreißend aus. Aber heute Abend ziehen Sie erst einmal in den Palast ein. Dann besprechen wir das Nötigste für die Hochzeit und lernen uns dabei ein wenig kennen. Und Samstag heiraten wir.“
„Ach, das geht einfach so?“ Breanna schnippte mit den Fingern. „Klar, kein Problem.“ Dann lachte sie schrill.
Es klang fast manisch.
„Sie scheinen Bedenken zu haben“, meinte Sebastian vorsichtig.
„Ach was“, antwortete Breanna schnell. „Ich überlege nur gerade, wann ich meine ganzen Sachen zusammenpacken soll.“
Oh, sie weiß es noch gar nicht, dachte Sebastian verdrossen.
„Ihr Vater hat das bereits veranlasst“, erklärte er. „Bestimmt steht schon alles bereit.“
„Natürlich“, sagte sie resigniert. „Er kann es gar nicht erwarten, mich endlich loszuwerden.“ Aber die Gewissheit, dass sie Annie mit ihrer Entscheidung wertvolle Zeit verschafft hatte, stimmte sie euphorisch. „Also gut!“, rief Breanna munter. „Der Countdown läuft. Noch drei Tage. Dann wird geheiratet!“